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Studie zur Auswanderung : Deutschland verliert Talente an das Ausland

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Land mit Perspektive: Die Schweiz ist traditionell ein deutsches Auswanderungsziel. Unsere Foto-Illustration zeigt eine Skifahrerin vor dem Matterhorn. Bild: Reuters

Aus der EU erfährt Deutschland einen Zuwanderungsboom. Die Deutschen selbst aber streben hinaus in die Welt. Auch junge Hochqualifizierte verlassen die Bundesrepublik. Experten fordern Rückkehrer-Programme.

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          Jährlich wandern mehr deutsche Staatsangehörige aus, als nach Deutschland zurückkehren – vor allem junge Menschen und gut Qualifizierte zieht es ins Ausland. Das geht aus einer Studie hervor, die am Dienstag vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) vorgelegt wurde. Gefragt wurde nach den Motiven und Absichten der Aus- und Rückwanderung deutscher Staatsbürger. Die Forscher geben in ihrer Pilotstudie zugleich Entwarnung: Befürchtungen, dass der demografisch alternde Industriestaat Deutschland in großem Umfang dauerhaft junge Hochqualifizierte an das Ausland verliere, habe die Untersuchung nicht bestätigt.

          Auswanderung dürfe nicht „einseitig als ’Verlust’“ verstanden, sondern müsse „als Chance“ gesehen werden, sagte Cornelia Schu, Direktorin des SVR-Forschungsbereichs. Der Soziologe Marcel Erlinghagen von der Universität Duisburg-Essen sagte, die Abwanderung Hochqualifizierter habe „eher temporären Charakter“. Auswanderer kämen mit „neuen Erfahrungen, Fähigkeiten und Netzwerken“ zurück.

          Der SVR forderte Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft daher auf, die Migration zu nutzen und zu steuern – vor allem mit Blick auf den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung. Vor diesem Hintergrund könnten für bestimmte Branchen gezielte Mobilitäts- und Rückkehrer-Programme „sinnvoll“ sein, um junge gut Qualifizierte zu werben, dauerhaft zu binden oder wieder zurückzuholen.

          Im Einzelnen zeigt die Studie mit dem Titel „International Mobil - Motive, Rahmenbedingungen und Folgen der Aus- und Rückwanderung deutscher Staatsbürger“ auf, dass zwischen 2009 und 2013 etwa 710.000 Fortzüge aus Deutschland registriert wurden; dem standen rund 580.000 Zuzüge gegenüber. Deutschland verliere demnach jährlich durchschnittlich rund 25.000 Staatsbürger durch Abwanderung.

          Während seit Jahren von einem Zuwanderungsboom vor allem von EU-Bürgern die Rede ist, ist nach Aussage der Experten relativ wenig über die Zu- und Abwanderungsmotive von Deutschen bekannt. Angesichts von Befürchtungen, dass sich ein negativer Migrationssaldo bei Hochqualifizierten, also mehr Ab- als Zuwanderungen, negativ auf die Sozialsysteme und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auswirken könnte, heißt es beschwichtigend: Hochqualifizierte seien mit je rund 80 Prozent in den Gruppen der Aus- und Rückwanderer gleich stark vertreten.

          Eine Einkommensverbesserung ist der Studie nach nur einer von mehreren Gründen für eine Abwanderung ins Ausland und dabei nicht der wichtigste (46,9 Prozent). Neue Erfahrungen seien für 72,2 Prozent der Befragten ausschlaggebend, berufliche Gründe geben 66,9 Prozent an. Bei einer Rückwanderung geben für rund zwei Drittel „familiäre und partnerschaftliche Gründe“ den Ausschlag. Als besonders mobil erweisen sich Deutsche mit Migrationshintergrund. Diese Gruppe sei vor allem aus familiären Gründen mobil.

          Für die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) und der Universität Duisburg-Essen erstellt wurde, wurden insgesamt 1700 Aus- und Rückwanderer zu ihren Motiven, ihrer Sozialstruktur und den individuellen Auswirkungen der Migration befragt. Die Ergebnisse seien allerdings nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Aus- und Rückwanderer.

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