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Studie des Innenministeriums : „Viele junge Muslime gewaltbereit“

  • Aktualisiert am

Muslime in Deutschland: Radikal, gefährlich? Bild: AP

Fast die Hälfte der jungen Muslime in Deutschland neigt zu fundamentalistischen Auffassungen. Laut einer Studie des Innenministeriums hat jeder siebte Muslim „problematische Einstellungsmuster“ - eine große Distanz zur Demokratie und hohe Akzeptanz politisch-religiös motivierter Gewalt.

          Nach einer vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebenen Studie neigt fast die Hälfte der jungen Muslime in Deutschland zu fundamentalistischen Auffassungen. Laut den Ergebnissen der insgesamt fünfhundert Seiten umfassenden Untersuchung ist etwa jeder vierte junge Muslim der Gewalt zugeneigt. Nur ein geringer Prozentsatz der im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Studie befragten Muslime in Deutschland äußerte jedoch Bereitschaft, für seine religiösen Überzeugungen auch mit Gewalt einzutreten.

          Zwölf Prozent der Muslime in Deutschland machen sich demnach eine ausgeprägte religiös-moralische Kritik an westlichen Gesellschaften zu eigen, kombiniert mit der Befürwortung von Körperstrafen bis hin zur Todesstrafe. Allerdings weisen die Autoren der am Institut für Kriminalwissenschaften an der Universität Hamburg entstandenen Studie mit dem Titel „Integration und Integrationsbarrieren von Muslimen in Deutschland“ darauf hin, dass demokratiefeindliche Einstellungen auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft durchaus verbreitet seien.

          Selbstmordattentäter „gottlose Kriminelle“ - oder nicht?

          Die Studie kommt zu dem Schluss, dass jeder siebte Muslim „problematische Einstellungsmuster“ vorweist. Das beziehen die Autoren auf eine hohe Distanz zur Demokratie und eine hohe Akzeptanz von politisch-religiös motivierter Gewalt. Festzustellen sei, dass jüngere Muslime eher zu radikalen Ansichten tendierten, wie eine Teilbefragung von Schülern und Studenten ergab.

          Der Studie zufolge lehnen gut 80 Prozent der Befragten Selbstmordattentate ab. Zugleich halten 8,7 Prozent die Formulierung, dass derartige Anschläge feige seien und dem Islam schadeten, für falsch. Die Etikettierung von Personen, die junge Muslime zu Selbstmordattentaten auffordern oder anleiten, als „gottlose Kriminelle“, wird von 9,4 Prozent nicht übernommen.

          „Heterogenität der Muslime“

          Innenminister Schäuble sagte, die Studie „gelangt zu dem besorgniserregenden Ergebnis, dass sich in Deutschland ein ernstzunehmendes islamistisches Radikalisierungspotential entwickelt hat“. Bekir Alboga, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime zu dem sich die großen konservativen islamischen Dachverbände zusammengeschlossen haben, sagte zu den Ergebnissen der Studie, die Einstellung von jungen Muslimen zu Demokratie und Rechtsstaat unterscheide sich nicht signifikant von der der Nichtmuslime. Das sei „eines der wichtigsten Ergebnisse“ der Studie. Alboga forderte einen „behutsamen und nicht einseitigen Umgang“ mit den Ergebnissen der Untersuchung.

          Nach Darlegung des Innenministeriums bestätigt die Studie „eindrucksvoll die Heterogenität der Muslime in Deutschland und die Vielschichtigkeit ihrer Einstellungen“. Zugleich zeige sie allgemein gültige integrationshemmende Faktoren: Mangelhafte sprachlich-soziale Integration, Bildungsferne und die einseitige Ausrichtung auf nicht-deutsche Medien sowie der Rückzug in ethnisch-religiös geschlossene Milieus

          Viele glauben an „göttliche Belohnung für Gotteskämpfer“

          Die Autoren der Studie heben hervor, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime Formen terroristischer Gewalt ebenso ablehne wie Gewalt, die sich auf religiöse Legitimationen beruft. Es wird jedoch ebenso hervorgehoben, dass die „Auffassung einer göttlichen Belohnung für Gotteskämpfer“ von einer „bemerkenswert großen Gruppe“ von mehr als vierzig Prozent geteilt werde.

          Es handle sich hierbei nicht um individuelle Handlungsbereitschaft, sondern „vermutlich um die Wiedergabe von Wissensbeständen aus religiöser Lehre. Damit zeige sich gleichwohl, dass sich auf religiöse Inhalte beziehende Variante der Legitimation „massiver Formen von Gewalt“ ein vielen Muslimen „subjektiv präsenter Wissensbestand ist“, an den politische Argumentationen anknüpfen könnten.

          „Rekrutierungsfeld für Radikalisierungen“

          Die Studie stellt ein „recht niedriges durchschnittliches Bildungsniveau“ der befragten Muslime fest. Nur die wenigsten (11,8 Prozent) haben einen akademischen Abschluss. Über die Hälfte der Befragten identifiziere sich stärker mit ihrem Heimatland als mit Deutschland. Jedoch erklären sich rund zwei Drittel durchaus dazu bereit, sich an die deutsche Kultur anzupassen. Im Gegenzug finden über die Hälfte der Befragten aus ihrer Sicht mit Deutschland ein Land vor, in dem Muslime abgelehnt und benachteiligt werden.

          Das Fazit der Wissenschaftler: In Deutschland gibt es einen „Resonanzboden und Rekrutierungsfeld für Radikalisierungen und Extremismus“. Die Studie glaubt, es sei zu früh, um praktische Maßnahmen zu formulieren. Wichtig sei das Fortschreiten der Integration der muslimischen Bürger. Allerdings dürfe man sich nicht etwa nur auf den Aspekt der Sprache beschränken. Man dürfe den Islam nicht ausgrenzen, aber ihm ebenso wenig mit einer „Attitüde der Beliebigkeit“ begegnen. Gefährdet, in eine Radikalisierung abzurutschen, seien vor allem junge Muslime.

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