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Studentenproteste : Frankreich in Frankfurt

Frankfurter Studenten auf dem Weg zu einer Protestversammlung Bild: F.A.Z.-Julia Zimmermann

Seit drei Wochen treibt die drohende Studiengebühr die hessischen Studenten zu Tausenden auf die Straßen. Mancherorts ist es ihnen tatsächlich gelungen, französische Verhältnisse herzustellen.

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          Von Frankreich lernen heißt siegen lernen - das ist die Parole, die hessischen Studenten derzeit auf Kundgebungen immer wieder entgegenschallt. So wie es in Paris gelang, die geplanten neuen Regeln für Ersteinstellungsverträge zu Fall zu bringen, so sollen die Demonstranten in Frankfurt, Gießen und Kassel mit ihrem „Widerstand“ die Einführung allgemeiner Studiengebühren verhindern.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mindestens 500 Euro je Semester haben Hochschüler vom nächsten Jahr an zu zahlen, wenn es nach dem Willen der CDU-Landesregierung geht. Daß die meisten von ihnen Anspruch auf ein Darlehen haben werden, mindert den Zorn der Protestierer nicht. Seit drei Wochen treibt es sie zu Tausenden auf die Straßen, und mancherorts ist es ihnen tatsächlich gelungen, französische Verhältnisse herzustellen.

          Verzweifelte Autofahrer

          Von den Kommilitonen im Nachbarland haben die hessischen Aktivisten vor allem die Blockadetaktik übernommen. Mehrmals legten Studenten in Frankfurt, Marburg und Darmstadt den Verkehr lahm; selbst Autobahnen und Bahngleise wurden zum Teil stundenlang besetzt. Daß solche Aktionen nicht nur staugeplagte Autofahrer zur Verzweiflung bringen, sondern auch gefährlich sein können, hat sich vergangene Woche in Gießen gezeigt: Dort wurde ein junger Mann von einem Zug erfaßt und schwer verletzt. Amin Benaissa, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Frankfurter Universität und Geschäftsführer des „Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren“, weiß nach eigenen Worten um die Risiken. Dennoch sind Blockaden seiner Ansicht nach ein „legitimes Mittel“, den Unmut über die geplanten Gebühren zum Ausdruck zu bringen.

          Daneben bedienen sich die Studenten jener Methoden, die schon die Achtundsechziger-Generation im Repertoire hatte. In Marburg hielten sie tagelang das Verwaltungsgebäude der Universität besetzt, in Frankfurt wurde am Dienstag eine Veranstaltung gestürmt, auf der sich Hochschulinstitute vorstellen wollten. Aber auch das Internet nutzen die Gebührengegner für ihre Zwecke. Ein „Udo-Corts-Fanclub“ listet dort die öffentlichen Termine des hessischen Wissenschaftsministers auf, damit ihn die Studenten bei seinen Auftritten lautstark „begrüßen“ können.

          In einer Hinsicht haben die heftigen Proteste schon Wirkung gezeigt: Ministerpräsident Roland Koch will das Studienbeitragsgesetz noch vor der Sommerpause dem Landtag vorlegen, um möglichst schnell eine Entscheidung herbeizuführen. Die Anti-Gebühren-Aktivisten wiederum fühlen sich dadurch herausgefordert, den Druck auf die Landesregierung noch zu verstärken. Für den 28.Juni ist eine Großdemonstration in Wiesbaden angesetzt, eine weitere in Frankfurt soll eine Woche später folgen. In der Mainmetropole wird es nach den Worten Benaissas zudem „kreative Aktionen“ während der Weltmeisterschaft geben. Blockaden auf den Straßen zum Stadion sind damit allerdings nicht gemeint, wenn man dem AStA-Sprecher glauben darf: „Es ist nicht unsere Absicht, die WM zu stören oder zu gefährden.“

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