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Kritik an Herfried Münkler : Asymmetrische Kriegsführung im Hörsaal

  • -Aktualisiert am

Studenten in einem Hörsaal der Humbolt-Universität in Berlin Bild: dpa

Studenten unterstellen einem Professor in einem Blog Rassismus und Sexismus. Der ist den Vorwürfen wehrlos ausgesetzt, denn auch wenn die Kritiker reden, wollen sie in der Anonymität bleiben.

          6 Min.

          Es ist wieder Dienstag, kurz nach zehn Uhr, und die Studenten wissen nicht, ob sie sich freuen oder fürchten sollen. „Mal schauen, was der Herr Professor sich heute wieder so leistet“, sagt ein junger Mann grinsend und setzt sich in eine der vorderen Reihen, um auch kein Wort zu verpassen. Von ein paar Plätzen hinter ihm kommt Protest einer Kommilitonin: „Manche hier wollen auch einfach nur die Vorlesung hören. Es ist auch mal gut.“

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Ein Mann betritt den Raum. Es ist Herfried Münkler, Professor für politische Theorie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1992 hat er den Lehrstuhl inne. Sein Gesicht ist oft im Fernsehen zu sehen, kaum ein Politikstudent kommt in seinem Studium an seinen Büchern oder Aufsätzen vorbei. Seine Vorlesungen verliefen bisher immer recht geräuschlos. Das hat sich nun geändert. Münkler hält die meistbeobachtete Vorlesung des Landes. Er muss damit rechnen, dass jeder seiner Sätze aufgezeichnet, seziert, kritisiert wird. Das ist anstrengend. Kurz hebt Münkler den Kopf, blickt einmal quer durch das Auditorium. Dann geht es los.

          Herfried Münkler würde mit seinen Kritikern gerne öffentlich diskutieren.
          Herfried Münkler würde mit seinen Kritikern gerne öffentlich diskutieren. : Bild: Imago

          Münkler spricht über Republikanismus und Liberalismus, oft liest er vom Blatt ab. Es geht um Kant und Machiavelli. Dann zeigt er an der Leinwand ein Gemälde, das die Legende um Brutus den Älteren aufgreift. Brutus steht etwas abseits, er ist voller Würde und Haltung - mit männlichen Tugenden - gemalt. Die Mutter beklagt die abgebildeten Toten, sie weint, kann sich - typisch weiblich - nicht zusammenreißen. Münkler macht auf diese klischeehafte Darstellung aufmerksam. Dann dreht er sich kurz weg von dem Bild, blickt wieder zu seinem Publikum: „Ich weiß nicht, ob das jetzt meinem Ruf als Sexist gerecht wird.“ Ein paar Studenten lachen über die Ironie, andere nicht. Am nächsten Tag wird in dem Blog „Münkler-Watch“ zu lesen sein, dass der Professor „relativ angemessen“ auf die in dem Bild verewigten sexistischen Stereotypen eingegangen sei, danach aber „leider“ wieder auf sein „altes Niveau“ zurückgefallen sei, als er mit Bezug auf die Brutus-Legende Vergewaltigungen „bagatellisierend“ als „Schweinereien“ bezeichnet habe.

          Kaum jemand weiß, wer hinter diesen Wertungen steht. Die Kritiker stellen ihre Kommentare anonym ins Internet, sie firmieren immer nur unter dem Pseudonym „Caro Meyer“. Sie nennen nicht ihren wahren Namen, bleiben lieber im Schutz der großen Studentenmenge, weil sie nach eigener Aussage befürchten, schlechtere Noten und Empfehlungsschreiben zu bekommen, würden sie ihre Kritik öffentlich vortragen. Nur einer steht auf der Bühne, hat einen Namen und ist damit angreifbar: Herfried Münkler.

          Aggressiv, lehrmeisterlich und überheblich

          In dem Blog „Münkler-Watch“, den es seit November gibt, werden ihm immer wieder rassistische, sexistische und militaristische Annahmen und Aussagen in seiner Vorlesung zur politischen Theorie und Ideengeschichte unterstellt. Belegt werden soll das mit Zitaten. Als er zum Beispiel über die Rechte der Frauen in den siebziger Jahren spricht, als der Ehemann seiner Frau das Arbeiten untersagen konnte, was „eigentlich ungeheuerlich“ sei. Eigentlich - dieses Wort sei verharmlosend, also sexistisch, meinen die Autoren von „Münkler-Watch“.

          Sie attestieren ihrem Professor, dass er ein chauvinistischer „Extremist der Mitte“ sei, der noch einigen „Nachhilfebedarf“ habe. Etwa bei der Literaturauswahl. Er behandle zu wenige weibliche und nichteuropäische Autoren. Als Münkler darauf antwortet, dass er kein Experte für nichteuropäische Autoren sei, wird ihm genau das vorgeworfen.

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