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Strompreis : Der Anstieg nach dem Umstieg

  • -Aktualisiert am

Tausende Kilometer Stromleitungen müssen für die Energiewende gebaut werden Bild: dapd

An diesem Dienstag beraten Umweltminister Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Rösler (FDP) in Berlin darüber, wie die Erhöhung der Strompreise verhindert werden kann. Denn die hohen Kosten der Energiewende trägt vor allem der gemeine Stromverbraucher.

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          Im Bundeskanzleramt wollen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU), Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an diesem Dienstag mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften darüber reden, wie der Strompreis im Zaum gehalten werden kann. Dieser kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Faktoren, die den Preis bestimmen. Im Kern setzt sich er sich aus drei Teilen zusammen: den Kosten für die Erzeugung, für den Transport über die Netze und die staatlichen Abgaben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 541 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Ein Viertel davon konsumierten nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die privaten Haushalte, knapp die Hälfte nahm die Industrie ab, ein Viertel wurde vom Gewerbe und anderen Dienstleistern verbraucht. Diese unterschiedlichen Gruppen von Stromkunden zahlen aber nicht alle den gleichen Strompreis, was zum Teil an technischen Unterschieden liegt. So bezieht eine Aluminiumhütte Strom aus dem Hochspannungsnetz, für die Haushaltskunden muss der Strom hingegen transformiert und in das weitverzweigte Niederspannungsnetz geleitet werden. Ein weiterer Grund sind Nachlässe, welche der Staat der Wirtschaft einräumt, damit die Betriebe im Wettbewerb mit ausländischen Herstellern bestehen können.

          Die energieintensive Wirtschaft mit nach eigenen Angaben 840.000 Beschäftigten beklagt, dass Deutschland die zweithöchsten Strompreise in Europa habe. Während die Kilowattstunde hier 10 Cent koste, zahle man in Frankreich nur 6 Cent. Durch die Befreiung der Wirtschaft von Umlagen und Steuern erhöht sich der Strompreis zum Teil für Haushaltskunden und Betriebe, die keine Vergünstigung erhalten.

          Bild: F.A.Z.

          Nur ein Drittel der Stromrechnung muss ein Haushaltskunde aufwenden, um die Erzeugungskosten des von ihm verbrauchten Stroms zu finanzieren. Diese Kosten werden am Markt durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Trotz der Stilllegung mehrerer Kernkraftwerke im vergangenen Jahr ist der Großhandelspreis für Strom nicht gestiegen, sondern gesunken. Ein Grund dafür ist der starke Ausbau erneuerbarer Energien. Der Ökostrom muss laut Gesetz ins Netz eingespeist und an der Strombörse verkauft werden.

          Der in großen Mengen tagsüber erzeugte Strom aus Solarzellen verdrängt damit Strom aus anderen Kraftwerken und dämpft Preisspitzen in der Mittagszeit, wenn die Nachfrage hoch ist. Kohle- und vor allem Gaskraftwerke, die zu solchen Marktpreisen nicht mehr wirtschaftlich produzieren können, werden abgeschaltet, neue Kohle- und Gaskraftwerke wegen sinkender Renditeerwartungen gar nicht erst gebaut. Um solche Kraftwerke dennoch in Reserve halten zu können, wird darüber nachgedacht, Investoren künftig mit einer Prämie zum Bau zu bewegen. Auch diese Prämie müssten die Verbraucher zahlen.

          Vertriebskosten sind staatlich reguliert

          Die Kosten für den Stromtransport durch die unterschiedlichen Netze sowie das Messen und Ablesen des Verbrauchs machen rund ein Fünftel der Stromrechnung eines Haushaltskunden aus. Diese Kosten sind staatlich reguliert. Die Bundesnetzagentur prüft die Vertriebskosten, genehmigt den Neubau von Leitungen und legt die Rendite fest, die Investoren dafür erzielen. Sie hat auch darüber zu wachen, dass das Netz sicher betrieben wird. Wenn nun etwa durch das Abschalten der Kernkraftwerke in bestimmten Regionen Engpässe oder Überschüsse in der Versorgung auftreten, kann die Netzagentur die Betreiber der Kraftwerke anweisen, ihre Anlagen hochzufahren oder abzuschalten. Die Kosten dafür werden auf den Netzbetrieb umgelegt und von allen Stromerzeugern bezahlt. Auf diese Art sollen die Erzeuger künftig auch gemeinschaftlich dafür haften, wenn der Ausbau der Stromnetze auf hoher See nicht schnell genug vorankommt und Windparkbetreiber ihren Strom deshalb nicht absetzen können. Das Bundeskabinett will einen entsprechenden Gesetzentwurf am Mittwoch verabschieden.

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