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Streitbare Theologin : Uta Ranke-Heinemann ist tot

Uta Ranke-Heinemann im Jahr 2002 Bild: dpa

Uta Ranke-Heinemann war weltweit die erste habilitierte katholische Theologin. Am Donnerstag ist sie im Alter von 93 Jahren verstorben.

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          Als Uta Ranke-Heinemann 1969 an der Ludwigs-Maximilian-Universität in München im Fach Katholische Theologie habilitiert wurde, war sie nicht nur die erste Frau weltweit, die die höchste Stufe der akademischen Qualifikation erklommen hatte. Das Aufsehen, das mit diesem Akt einherging, verdankte sie auch ihrer außergewöhnlichen Biographie: 1927 war sie als Uta Heinemann in Essen evangelisch getauft worden und 1953 im Zuge ihrer Heirat mit einem katholischen Religionslehrer konvertiert.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Ihr Vater Gustav wiederum wurde im Jahr ihrer Habilitation zum Bundespräsidenten gewählt – als erster Politiker seit Gründung der Bundesrepublik aus den Reihen der SPD. Dreißig Jahre später kandidierte Uta Ranke-Heinemann selbst für das Amt des Bundespräsidenten: Auf dem Höhepunkt des Kosovo-Krieges 1999 ließ sich die parteilose Theologin von der SED-Nachfolgepartei PDS als Gegenkandidatin des SPD-Politikers Johannes Rau nominieren.

          In den Jahren zuvor hatte sich Ranke-Heinemann aber nicht nur als Mitglied der Friedensbewegung profiliert, sondern auch als streitbare Theologen, die immer wieder die Verlogenheit der katholischen Sexualmoral anprangerte. 1987 hatte der „Ruhrbischof“ Franz Hengsbach der Professorin den Lehrstuhl für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte an der Universität Essen entzogen, ein Jahr später war ihr bis heute immer wieder neu aufgelegtes Hauptwerk „Eunuchen für das Himmelreich – Katholische Kirche und Sexualität“ erschienen. Vom „traditionellen Christentum“ mit seinen Dogmen und der katholischen „monosexuellen“ Kirche sagte sie sich je länger, desto deutlicher los. Am Donnerstag ist Uta Ranke-Heinemann im Alter von 93 Jahren verstorben.

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