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Streit um Sturmgewehr G36 : Wehrbeauftragter nimmt Heckler & Koch in Schutz

  • Aktualisiert am

Ein Rekrut schießt im Jahr 2011 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Nochten mit einem G36. Bild: dpa

Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, relativiert die Kritik am Sturmgewehr G36. Gründe für die mangelnde Präzision fänden sich in den Konstrukionswünschen der Bundeswehr.

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          Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages hat die Kritik am Sturmgewehr G36 relativiert. Es gebe keine Hinweise darauf, dass deutsche Soldaten wegen mangelnden Schusspräzision des Gewehrs in Gefahr geraten seien, sagte Hellmut Königshaus am Donnerstag. Das G36 ist das Standard-Gewehr der deutschen Streitkräfte. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, sagte, das Gewehr sei auch in heißen Einsatzgebieten betriebssicher. Allerdings solle zur Wahrung der Treffsicherheit unter anderem möglichst direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden.

          Königshaus sagte der „Passauer Neuen Presse“, die Beschaffung des umstrittenen Gewehrs sei von vornherein „ein Kompromiss“ gewesen. „Man wollte eine relativ leichte Waffe, die einfach zu handhaben ist, der Preis dafür ist geringere Präzision“, so Königshaus weiter. Insofern sei es falsch, pauschal die Beschaffung als Fehler zu kritisieren, fügte er hinzu. Das Sturmgewehr war nach dem Ende des Kalten Kriegs konzipiert und 1997 zunächst beim Deutschen Heer eingeführt worden. Spätere Bundeswehreinsätze wie in Kosovo, in Afghanistan oder in Mali folgten erst Jahre später und flossen entsprechend seinerzeit in die Entwicklung nicht mit ein.

          Das Verteidigungsministerium hatte in dieser Woche massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. Diese treten offensichtlich bei hohen Außentemperaturen sowie bei Hitzeentwicklung durch intensives Schießen auf. Faktoren also, wie sie bei kämpfenden Bundeswehreinheiten in Afghanistan aufgetreten sind.

          Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte am Montag an, eine Kommission solle die Probleme mit dem Sturmgewehr G36 und ihre Folgen genauer untersuchen. Die Ministerin schloss auch Schadenersatzforderungen an den Hersteller Heckler & Koch nicht aus.

          Es sei richtig, dass die Probleme mit dem Gewehr jetzt untersucht würden, sagte Königshaus. Unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen sei jedoch aus seiner Sicht „am G36 nichts auszusetzen“.

          In einer Weisung an die Bundeswehrsoldaten zum weiteren Gebrauch bezeichnete Generalinspekteur Wieker das G36 auch bei Auslandsmissionen  in Afghanistan, Mali und am Horn von Afrika als „betriebssicher“, wie das Verteidigungsministerium am Donnerstag mitteilte. „Es gilt unverändert, dass eine erhöhte Erwärmung der Waffe bei steigender Schussfrequenz (schnelles Einzelfeuer und kurze Feuerstöße) nicht zum Ausfall der Waffe oder einer Gefährdung des Schützen führen“, heißt es dort.

          Gegen „Abweichungen in der Trefferleistung bei thermischer und klimatischer Belastung“ empfahl Wieker der Truppe demnach eine Reihe von Maßnahmen „wie zum Beispiel das Anschießen der Waffe unter vergleichbaren Bedingungen, den richtigen Munitionsmix und geleiteten Feuerkampf sowie Verlegen des Haltepunktes“. Wenn es der Einsatz zulasse, sei außerdem darauf zu achten, „unnötige Temperaturschwankungen etwa durch direkte Sonneneinstrahlung oder andere Wärmequellen zu vermeiden“.

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