https://www.faz.net/-gpf-9lhpn

Streit über Sarrazin-Einladung : „Eine ganz normale Lesung“

Thilo Sarrazin bei einer Podiumsdiskussion in Wien am 14. März. Bild: dpa

Zur „Lesung mit Diskussion“ ist das umstrittene SPD-Mitglied Thilo Sarrazin bei seinem thüringischen Parteikollegen Oskar Helmerich zu Gast. Das sorgt für Aufruhr – Sarrazin verteidigt die Veranstaltung.

          Dem thüringischen SPD-Landtagsabgeordneten Oskar Helmerich, der den Publizisten Thilo Sarrazin (SPD) zu einer Buchlesung eingeladen hatte, droht kein Fraktionsausschluss. Das stellte der thüringische SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Hey am Montag klar. „Es handelt sich um eine unabgestimmte Aktion unseres Mitglieds Oskar Helmerich“, sagte Hey. Eine Fraktionssprecherin hatte zuvor erklärt, die geplante Buchlesung sei eine Privatangelegenheit von Helmerich.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Auch ein Mitarbeiter Helmerichs sagte der F.A.Z., es handele sich bei der „Lesung mit Diskussion“ um eine private Veranstaltung und nicht um eine Wahlkampfveranstaltung. Der „Bild“-Zeitung hatte Helmerich gleichwohl gesagt, die Lesung passe in das Konzept der SPD, „um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert sind“. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er am Montag, er stehe weiter „voll dahinter“, Sarrazin einzuladen.

          Der thüringische SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Tiefensee hatte sich am Wochenende von dem Plan distanziert. Es handele sich um „keine Veranstaltung der Thüringer SPD“. In Bezug auf Sarrazin distanzierte er sich „ausdrücklich und scharf von ihm und den islamfeindlichen Aussagen“. Helmerich war früher selbst Mitglied der AfD, hatte sich jedoch früh von der Partei distanziert. Im Frühjahr 2016 war er – gegen den Widerstand der SPD-Parteijugend – zunächst in die Erfurter SPD-Stadtratsfraktion und danach in die Landtagsfraktion aufgenommen worden.

          Sarrazin sagte der F.A.Z. am Montag, er habe Helmerich in einem Telefonat Ende Januar zur Vereinbarung der Veranstaltung gewarnt, dass diese auf Widerstand stoßen werde. Er habe ihm gleichwohl zugesagt und wolle „eine ganz normale Lesung“ seines im vergangenen Jahr erschienenen Islambuches halten. Gegen Sarrazin läuft in der SPD ein Parteiausschlussverfahren, weil er gegen die Grundwerte der Partei verstoßen haben soll, was Sarrazin bestreitet. Ein Urteil der zuständigen SPD-Schiedskommission in Berlin wird für Mitte dieses Jahres erwartet.

          Weitere Themen

          Erlaubt ist alles

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.