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Streit um Kosten des Museums : Stiftungsmodell für die Landshut vorgeschlagen

David Dornier steht in im Juli 2018 vor der Landshut in Friedrichshafen. Bild: dpa

Seit zwei Jahren ist die Landshut-Maschine zurück in Deutschland, doch seitdem stockt das Museumsprojekt wegen eines Streits um die Kosten. Museumschef Dornier schlägt nun vor, eine Stiftung zu gründen.

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          Im Streit über die Präsentation der von palästinensischen Terroristen 1977 zur Freipressung von inhaftierten RAF-Mitgliedern entführten historischen Landshut-Maschine gibt es einen neuen Vorschlag: Der Chef des Dornier-Museum sowie der Dornier-Stiftung, David Dornier, hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vorgeschlagen, eine „Stiftung 18. Oktober“ zum Betrieb eines künftigen Landshut-Museums zu gründen. „Das wäre ein Rund-um-sorglos-Paket. Für Kosten von 16 Millionen Euro ließe sich die Ausstellung für zwanzig Jahre gut unterhalten“, sagte Dornier der F.A.Z.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte das Flugzeug 2017 aus Brasilien nach Friedrichshafen transportieren lassen. Doch seit zwei Jahren stockt das Museums-Projekt, weil es zwischen Dornier und der Kulturstaatsministerin permanent Streit über die Kosten gibt. Grütters dringt darauf, dass Dornier die Betriebskosten in Höhe von 300.000 Euro jährlich übernimmt und der Unternehmer den Bestand seines Dornier-Museums über 20 Jahre garantiert. Das lehnt Dornier ab, er könne den Unterhalt seines Museums nur für 13 oder 14 Jahre garantieren. Außerdem habe er nie zugesagt, die Betriebskosten zu übernehmen. „2017 hat Sigmar Gabriel anrufen lassen. Man sagte mir dann: ,Herr Dornier, Sie haben die Landshut’. Was ich nicht hatte, war ein Vertrag.“

          Dornier wäre bereit, der Bundesrepublik das Grundstück zum Bau des Museums-Hangars mit einer Größe von 4500 Quadratmetern zu überlassen. Nach Schätzungen des Unternehmers ist die Fläche 600.000 Euro wert. Außerdem wäre er bereit, die Stiftung mit 500.000 Euro aus seinem Privatvermögen auszustatten. Zusätzlich sollen Spenden von Unternehmen eingeworben werden. Der Bund müsste den Bau des Gebäudes mit fünf Millionen Euro und die Restaurierung mit weiteren fünf Millionen Euro bezahlen, was ohnehin vereinbart ist. Bundestagsabgeordnete der SPD setzen sich derzeit zudem dafür ein, weitere sechs Millionen Euro für den Unterhalt des Museums zur Verfügung zu stellen. „Wir könnten mit dem Projekt fast schon fertig sein. Ich werde es nicht absagen. Das muss schon Frau Grütters selbst machen“, sagte Dornier.

          Kritik an der Bundesregierung

          Von der „Beauftragten für Kultur und Medien“ lag am Donnerstagabend noch keine Stellungnahme vor. Fachleute hatten schon in diesem Sommer gewarnt, dass die historische Ausstellung über den RAF-Terrorismus, die Entführung und die Reaktion des Staates hierauf so lange nicht weiter vorbereitet werden könnte, bis der Standort endgültig gesichert sei.

          Seit dem Rücktransport des Flugzeugs kurz vor der Bundestagswahl 2017 wird das Ausstellungs-Projekt von der neuen Bundesregierung, obwohl es ausdrücklich im Koalitionsvertrag genannt ist, nur halbherzig verfolgt. Historiker sind zudem der Auffassung, dass eigentlich ein neuer Außenstandort des „Hauses der Geschichte“ in Bonn der ideale Platz für die Landshut wäre. Der Leiter des Museums, Hans Walter Hütter, lehnt das aber mit einem Hinweis auf „museologische und praktische Gründe“ seit Jahren vehement ab. Hütter ist nicht weisungsgebundener Beamter. Kulturstaatsministerin Grütters scheut offenbar den Konflikt mit dem Museumschef und will sich in dieser Frage offenbar nicht durchsetzen.

          In Dorniers neuem Stiftungskonzept, das der F.A.Z. vorliegt, wird die Haltung der Bundesregierung deutlich kritisiert: „Zwei Jahre intensiver Befassung mit dem Vorhaben haben uns gezeigt, dass ein Projekt dieser Art – die künftige Ausstellung des Symbols der wehrhaften Demokratie, aber auch eines Objekts, in dem Menschen ihr Leben gelassen, schwer gelitten und Unsägliches ausgehalten haben – überzeugend nur in öffentlicher Trägerschaft realisiert werden kann“, heißt es dort. Es sei unverständlich, warum sich die Bundesrepublik zu einem Kapitel ihrer eigenen Geschichte so zurückhaltend verhalte.  

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