https://www.faz.net/-gpf-ae7a6

Streit um Corona-Impfungen : Wie können Kinder am besten geschützt werden?

Eine Kinderärztin impft einen Jungen mit dem mit dem Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Bild: dpa

Während CSU und Ständige Impfkommission weiter um den richtigen Kurs bei Kinderimpfungen ringen, schafft ein Bundesland Fakten – und schickt seine Impfteams Mitte August in die Schulen.

          4 Min.

          Der Druck lässt nicht nach. Schon seit Wochen gibt es immer wieder Forderungen an die Adresse der Ständigen Impfkommission, doch bitte endlich die Corona-Impfung für Kinder ab zwölf Jahren zu empfehlen. Die Fachleute der STIKO, wie sich das Gremium abgekürzt nennt, haben jedoch bislang stets abgewunken. Weil eine Covid-19-Erkrankung bei Kindern fast immer ausgesprochen mild verläuft und über mögliche Risiken einer Impfung wegen fehlender Studiendaten nicht genug Klarheit herrscht, halten sie sich mit einer allgemeinen Empfehlung zurück. Nur Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen legen die Wissenschaftler die Impfung grundsätzlich nahe. Bei diesen steigt das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs, was wiederum den Nutzen der Impfung vergrößert. Doch insgesamt blieb es bislang dabei, dass die Risiken der Impfung für Gesunde noch nicht überzeugend genug ausgeschlossen werden konnten.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          „Dazu gibt es bislang auch keine neuen Erkenntnisse“, sagte der Mainzer Kinderarzt Fred Zepp der F.A.Z. am Mittwoch vor dem Beginn der wöchentlichen Schaltkonferenz der STIKO. Zepp gehört dem Gremium seit vielen Jahren an. Zwar könne es immer sein, dass neue Daten zu einer anderen Bewertung der Lage führten. Der Mediziner wies jedoch darauf hin, dass die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA die Impfstoffhersteller BioNTech/Pfizer und Moderna kürzlich aufgefordert habe, bei ihren Studien zur Wirkung der Impfung bei Kindern die Zahl der Probanden zu verdoppeln. Für Zepp ist das eine Bestätigung, dass die STIKO mit ihrer Zurückhaltung richtig liegt. Es sei bemerkenswert, dass die amerikanischen Behörden dieser Frage eine „gewisse Aufmerksamkeit“ widmeten, sagte Zepp.

          Mit dieser Einschätzung sind nicht alle einverstanden. Kritik kam am Mittwoch von den Amtsärzten. „Wenn die Vakzine getestet, geprüft und zugelassen sind, sehe ich keinen Grund, sie nicht zur Impfung zu empfehlen, auch für Jüngere“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Inzidenzen seien in den niedrigeren Altersgruppen besonders hoch. „Das wird sich bald in die noch jüngeren Gruppen verschieben. Warum sollten wir diese Altersgruppen nicht vor Corona schützen?“

          In Deutschland ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen, beim Impfstoff von Moderna gibt es bereits eine entsprechende Empfehlung durch die Fachleute der Europäischen Arzneimittelagentur. Sobald die Europäische Kommission zustimmt, ist auch dieser Impfstoff für Kinder von zwölf Jahren an zugelassen. Die italienische Arzneimittelagentur AIFA hat dem Schritt schon vorgegriffen und den Impfstoff am Mittwoch für Kinder freigegeben.

          Doch nicht nur Mediziner sprechen sich dafür aus, möglichst viele Kinder und Jugendliche zu impfen. Der politische Druck auf die STIKO, ihre Empfehlung zu ändern, kommt vor allem aus dem Süden der Republik. Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder treibt das Thema seit Wochen um. Er verstrickte sich dabei allerdings in Widersprüche. Einerseits beklagte er, dass der Impfstoff von AstraZeneca durch das Hin und Her der wissenschaftlichen Einschätzungen zum „Ladenhüter der Nation“ geworden sei. Andererseits sagte er vor zwei Wochen in Bezug auf das Impfen von Schülern: „Wir hoffen sehr, dass die STIKO ihre Meinung weiterentwickelt.“

          Weitere Themen

          Gespräche für Hungerstreikenden nach Wahl Video-Seite öffnen

          Laschet bietet an : Gespräche für Hungerstreikenden nach Wahl

          Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hat den Hungerstreikenden in Berlin gemeinsam mit den beiden anderen Kanzlerkandidaten ein Gespräch angeboten - allerdings erst nach der Bundestagswahl. Bei einer Wahlkundgebung in Bremen wurde Laschet immer wieder von Zwischenrufern unterbrochen.

          Topmeldungen

          Sergej Lawrow auf einem Wahlplakat von Einiges Russland in Simferopol im September

          Duma-Wahl : Die zweite Familie des Sergej Lawrow

          Der russische Außenminister hat sich in den Wahlkampf eingemischt. Unter anderem wegen seines Drucks ist eine App des Oppositionellen Nawalnyj nicht mehr erreichbar. Doch er hat mit privaten Enthüllungen zu kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.