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Streit um Asylbewerberheim : Mitten im Kulturkampf

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Viele Hemmungen seien längst gefallen, sagt Brachtel. Was vorher allenfalls gedacht wurde, werde jetzt öffentlich gerufen. „Der Stammtisch-Rassismus ist salonfähig geworden, und daran hat Pegida einen großen Anteil.“ Lutz Bachmann ist mit Freital eng verbunden, er wohnt im Nachbarort, er kennt hier viele Leute; für die Stadt entwarf er einst eine Textilkollektion („Don’t worry – be FREITAL“), und hier geht er zum Friseur, wo bei einem seiner Besuche auch das „Hitler-Selfie“ genannte Selbstporträt entstand, das im Januar zu Spaltung der Bewegung geführt hatte.

Bei den wöchentlichen Protesten der Gegner der Asylbewerberunterkunft in Freital ist Bachmann von Anfang an dabei, er spricht vom „Glücksritterheim“ und von „Asylbetrügern“, noch schärfer geht es auf den Internetseiten der Protestler zu: „Zurück nach Afrika mit denen“ zählt dort zu den milderen Kommentaren. Die Stadtverwaltung hat längst kapituliert, der Bürgermeister hat das Problem zur Klärung an Land- und Bundespolitiker verwiesen.

Am vergangenen Freitag ist Thomas de Maizière im Freitaler Kulturhaus, auf einer Versammlung vor 170 Leuten erklärt der Bundesinnenminister die Lage und antwortet auf Fragen, und trotz Bitte, einander ausreden zu lassen, schreien und pöbeln Teilnehmer herum. Zwischen ihnen sitzen Bachmann und Tatjana Festerling, die frühere Dresdner Oberbürgermeisterkandidatin, und greifen nicht ein. Die Veranstaltung sollte schon im März stattfinden, musste aber aufgrund von Drohungen gegen den Veranstalter abgesagt werden. Nun ist das Haus von Polizei umstellt, auf der anderen Straßenseite stehen etwa 80 Asylgegner sowie Pegida-Anhänger, NPD-Mitglieder und Landtagsabgeordnete der AfD. „Genug geredet – Asylchaos beenden“, steht auf einem AfD-Banner, lautstark skandiert die Menge: „Wir wollen keine Asylantenheime!“

Am Dienstagabend ziehen mit Einbruch der Dunkelheit schließlich 70 Gegner der Asylbewerberunterkunft vor das Heim, einige haben sich Mut angetrunken; die Polizei sperrt die Straße ab. „Die kriegen alles hinten rein geschoben“, ruft eine Frau. „Und für unsere Rentner bleibt nichts.“ Eine andere berichtet, dass Deutsche an Tafeln nichts mehr bekommen, weil alles für „Asylanten“ reserviert werde. Ob sie das selbst erlebt haben? Nein, sie hätten es gehört. Es sind die üblichen Vorurteile. Über die Polizeiautos hinweg rufen sich beide Seiten Sprechchöre zu, um Mitternacht lösen sich die Versammlungen auf. Es ist friedlich geblieben, immerhin.

Auch am Mittwoch versammelten sich nach Polizeiangaben rund 160 Gegner der Erstaufnahmeeinrichtung an der Zufahrt zu dem Gebäude. Zugleich fanden sich etwa 80 Demonstranten überwiegend aus dem linken Spektrum an dem früheren Hotel ein, um Übergriffe auf die Flüchtlinge zu verhindern, wie sie erklärten. Bis auf verbale Auseinandersetzungen blieb es friedlich. Während der Demonstration und unter Gejohle der Flüchtlingsheimgegner trafen 50 neue Asylbewerber ein, darunter mehrere Frauen mit kleinen Kindern.

Die Polizei wertet die Lage als angespannt, sie bewacht das Heim; derweil haben Befürworter und Gegner der Asylunterkunft bereits angekündigt, vorerst jeden Abend wiederzukommen.

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