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Streit über Kinderbetreuung : Bischof Mixa lässt nicht locker

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Mixa kämpft für das klassische Familienbild Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seine Äußerung verteidigt, Familienministerin von der Leyen (CDU) wolle Mütter zu „Gebärmaschinen“ degradieren. Unionspolitiker nennen das „absurd“. Auch in beiden Kirchen wurde Unverständnis laut.

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          Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seine Kritik an der Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen verteidigt. Seine Äußerung, die CDU-Politikerin wolle Frauen zu „Gebärmaschinen“ degradieren, bereue er nicht, sagte Mixa am Freitag in der ARD. Von der Leyens Vorschlag, die Angebote in der Kleinkindbetreuung massiv auszuweiten, werde der Wirklichkeit nicht gerecht. Politiker der Union verteidigten unterdessen die Familienministerin und wiesen Mixas Beitrag als Polemik zurück. Auch aus beiden Kirchen wurde die Äußerung des Bischofs kritisiert. Der Regensburger Bischof Müller nahm Mixa in Schutz.

          Mixa forderte am Freitag im Fernsehsender N24 eine bessere finanzielle Förderung der Erziehungstätigkeit junger Mütter. „86 Prozent der Mütter in unserer Bundesrepublik Deutschland erziehen ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren selber und tun das sehr gerne. Und diese Frauen und Mütter verdienen eine große Anerkennung und ein großes Lob“, so der Bischof. „Wir brauchen eine familiengerechte Politik, und nicht eine arbeitsgerechte Familienpolitik.“ Die Politik solle überlegen, Frauen „eine größere Unterstützung in Form des Kindergeldes zu geben und ihre Erziehungstätigkeit später für die Rente anzurechnen“.

          „Kinderfeindlich und ideologisch verblendet“

          Mixa hatte die Vorstellungen von der Leyens zur Kinderbetreuung am Donnerstag als „kinderfeindlich und ideologisch verblendet“ kritisiert. Auf die Kritik an seinen Äußerungen reagierte er gelassen. Es seien „auch sehr viele positive und unterstützende Aussagen über meine Stellungnahme zu diesem Thema gekommen“.

          Von der Leyens Politik nennt er „kinderfeindlich”

          Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), wies die Vorwürfe des Bischofs in der ARD zurück. „Die Zeit, dass man Frauen ein schlechtes Gewissen einredet, muss endgültig vorbei sein. Wir brauchen die Unterstützung für Familien.“ Tatsächlich würden in den westdeutschen Flächenstaaten nur für 2,4 Prozent Krippenplätze zur Verfügung gestellt. „Da kann man nicht von Wahlfreiheit sprechen“, sagte Böhmer. „Und deshalb ist es so wichtig, die Kinderbetreuung auszubauen.“

          Der Parlamentarische Staatssekretär von der Leyens, Hermann Kues (CDU), sagte, die Forderung nach einem Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder sei eine alte Forderung der Deutschen Bischofskonferenz. Die CDU-Familienpolitikerin Ursula Heinen warf Mixa Realitätsferne vor und sagte, die Haltung des Bischofs führe in die kinderlose Gesellschaft.

          Pflüger: Mixas Äußerung „absurd“

          Auch CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger kritisierte Mixa scharf. „So sehr ich Bischoff Mixa schätze, so absurd sind seine Äußerungen zu Ursula von der Leyen“, sagte Pflüger. Seine Parteikollegin leiste hervorragende Arbeit. „Es geht niemanden in der Union um die Herabwürdigung und Entmutigung von Hausfrauen und Müttern, sondern vielmehr um echte Wahlfreiheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Kindeswohl.“

          Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union Ilse Falk (CDU) sagte der Ausbau der Kinderbetreuung sei „nötig, aber wir dürfen auch die anderen nicht aus dem Blick verlieren“. Sie mahnte mehr Unterstützung für Familien an, die in der traditionellen Rollenverteilung leben. „Wir müssen auch Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, Angebote machen“, sagte Falk. „Auch dafür muss es finanzielle Mittel geben.“

          Bischof Müller: Lassen uns den Mund nicht verbieten

          Auch Vertreter der Kirchen reagierten mit Unverständnis auf Mixas Äußerungen: Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, sagte: „Ich kann die Kritik in keiner Weise nachvollziehen, zumal 2013 erst Krippenplätze für jedes dritte Kind zur Verfügung stehen werden. Auch die christlichen Kirchen sollten alles tun, um Deutschland kinderfreundlich zu machen.“

          Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, sprach sich für „mehr Ruhe und Sachlichkeit“ in der familienpolitischen Debatte aus. „Ich bedaure, dass diese Diskussion jetzt noch emotionaler geführt wird. Mich verwundert diese scharfe Reaktion“, sagte er über Mixas Äußerungen.

          Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nahm Mixa in Schutz. „Als Kirche sind wir nicht das fünfte Rad am Wagen und lassen uns von der Politik nicht den Mund verbieten“, sagte Müller am Freitag in Regensburg. Die Kirche müsse dabei auch keine Rücksicht auf die gängige öffentliche Meinung nehmen. Inhaltlich wollte sich Bischof Müller nicht in die Debatte über den Ausbau der Kleinkindbetreuung einschalten.

          „Ein echtes Armutszeugnis“

          Mixa Äußerung stieß auch bei den Grünen auf scharfe Kritik. Deren Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck nannte sie „ein echtes Armutszeugnis“ und „Ausdruck von gesellschaftlicher Realitätsferne“. Besonders für junge Frauen, die Beruf, Kinder und Glauben miteinander vereinbaren wollten, seien die Worte des Bischofs „ein Schlag ins Gesicht“. Dem Würdenträger fehle es offensichtlich an Respekt vor berufstätigen Müttern.

          Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, forderte die Kommunen dazu auf, mehr für die Kinderbetreuung zu tun, um so mehr alleinerziehende Arbeitslose in Lohn und Brot zu bringen. Weise sagte, eine große Zahl der insgesamt 600.000 arbeitslosen Alleinerziehenden in Deutschland sei nur deshalb arbeitslos, weil die Kinderbetreuung nicht organisiert sei. „Wenn vor Ort die Bedingungen erfüllt wären, könnte man 50.000 oder 60.000 von ihnen in Arbeit bringen“, sagte Weise.

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