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Streit über Deutschlandlied : Merkel gegen neue Nationalhymne

  • Aktualisiert am

Kanzlerin Merkel beim Singen der Nationalhymne im Jahr 2014. Bild: dpa

„Die Bundeskanzlerin findet unsere Nationalhymne sehr schön, in Musik und Text“, sagt Regierungssprecher Seibert. Thüringens Ministerpräsident Ramelow hatte zuvor für eine neues Lied geworben.

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          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schließt sich der Forderung nach einer neuen Nationalhymne nicht an. „Die Bundeskanzlerin findet unsere Nationalhymne sehr schön, in Musik und Text“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte sich zuvor für eine neue Hymne ausgesprochen. Viele Ostdeutsche stimmten die Hymne in der Öffentlichkeit nicht an, sagte er zur Begründung. Merkel ist in der DDR aufgewachsen.

          Bei der Nationalhymne handelt es sich um die dritte Strophe des „Lieds der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben („Einigkeit und Recht und Freiheit“). Zur Wendezeit gab es den Vorschlag, die „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht als Nationalhymne für das wiedervereinigte Deutschland zu wählen.

          Die Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen stellten sich in der „Bild“-Zeitung gegen Ramelows Vorstoß. „Ich finde unsere Hymne gut; und bei der Vollendung der Inneren Einheit gibt es wichtigere Themen, zum Beispiel die Grundrente“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

          Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) lehnt eine Änderung ab. „Als Ostdeutscher sage ich: Der Inhalt der Nationalhymne war ein Grund für uns, der Bundesrepublik beizutreten, denn für diese galt: ,Einigkeit und Recht und Freiheit...‘! Ich halte den Vorschlag von Kollegen Ramelow deshalb für völlig überflüssig und glaube, dass Thüringen und wir insgesamt andere Probleme zu lösen haben.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) betonte, er verbinde mit der Hymne „genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte – die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit. Gerade für die Ostdeutschen hat unsere Nationalhymne eine besondere Bedeutung.“

          Kritik an Ramelows Vorstoß kam auch aus CSU und AfD. „Hände weg von unserer Nationalhymne“, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume der „Rheinischen Post“ (Freitag). Dem Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, ist es nach eigenen Worten unbegreiflich, „wie Bodo Ramelow beim Singen unsere Nationalhymne an die Zeit des Nationalsozialismus denken kann.“ Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse schlug auf dem Portal t-online.de einen Kompromiss vor. „Ich könnte mir vorstellen, die Hymne ergänzen zu lassen, um eine zweite und dritte Strophe, geschrieben von zeitgenössischen Dichtern.“

          Rückendeckung erhielt Ramelow von dem evangelischen Theologen und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Es sei „ein großer Fehler“ gewesen, nach der Wiedervereinigung nicht zugunsten von Brechts „Kinderhymne“ auf beide deutschen Hymnen zu verzichten, sagte Schorlemmer am Donnerstag dem MDR in Halle. Er sei dafür, „dass wir diese Debatte ruhig nochmal anfangen“.

          Der Berliner Historiker Clemens Escher, der den Hymnenstreit in der frühen Bundesrepublik untersuchte, bezeichnete die Parteinahme für Brecht als „intellektuelle Elfenbeinturmdiskussion“. Diese habe nach 1989/90 lediglich eine begrenzte Rolle „für das vornehmlich westdeutsche Feuilleton von Deutschlandlied-Kritikastern“ gespielt, sagte Escher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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