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Urteil zur Marienburg : Historisches Schloss der Welfen bleibt zugänglich

Das Schloss Marienburg Bild: dpa

Zumindest rechtlich ist der Familienstreit der Welfen beigelegt. Demnach war Erbprinz Ernst August gegenüber seinem Vater nicht „grob undankbar“. Das Gericht sieht hinter der Klage außerdem ein illegales Inkasso-Geschäft.

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          Im Familienstreit der Welfen über die Marienburg und andere Besitztümer des Adelsgeschlechts hat Ernst August Erbprinz von Hannover einen Sieg erzielt. Das Landgericht Hannover wies am Freitag eine Klage zurück, die auf eine Rückgabe von Vermögenswerten zielte, die Familienoberhaupt Ernst August Prinz von Hannover 2004 an seinen ältesten Sohn im Weg der vorweggenommenen Erbfolge übertragen hatte. In dem Verfahren ging es nach Auskunft des Gerichts um Immobilien, Grundstücke und Kunstwerke. Im Zentrum des Interesses stand die Marienburg südlich von Hannover, die auch die Landespolitik stark beschäftigt. Das Land hatte mit dem Erbprinzen vereinbart, dass er das marode Welfenschloss für einen Euro in die Hände einer gemeinnützigen, staatlich gelenkten Stiftung legt, die das Schloss mit Mitteln von Bund und Land saniert. Eine Rückübertragung an den skandalumwitterten Vater hätte dieses Konstrukt womöglich gefährdet. Das Gericht wies die Klage jedoch schon aus formalen Gründen zurück.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Der Vater hatte seine eigene Klage schon vor längerer Zeit zurückgenommen. Weiterbetrieben wurde der Prozess von der „EAH BetreibungsgmbH“ in Salzburg, an die das Familienoberhaupt zuvor ein Teil seiner Ansprüche übertragen hatte. Das Landgericht erkannte in dem Vorgehen der „EAH Betreibungs-GmbH“, in die das langjährige Umfeld des Familienoberhaupts involviert ist, eine „Inkasso-Dienstleistung“, die nach deutschem Recht verboten sei. Auch dem Inhalt nach wies es die Klage zurück. Der Vorwurf des „groben Undanks“, der gegen den Sohn erhoben wurde, ist laut Gericht unbegründet. Die dafür erforderliche „schwere Verfehlung wegen tadelnswerter Gesinnung“ sei nicht zu erkennen, weder bei der Übertragung der Burg an die staatliche Stiftung noch bei der angeblichen Vernachlässigung des Vaters.

          Gegen das Urteil ist eine Berufung beim Oberlandesgericht Celle möglich. Erbprinz Ernst August, der seit einigen Jahren mit seiner Familie wieder in der Region lebt, teilte mit, er freue sich für die Stiftung Schloss Marienburg, dass „dieser Nebenkriegsschauplatz“ nun beseitigt sei. Die Marienburg könne somit als Kulturdenkmal erhalten und öffentlich zugänglich bleiben.

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