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Nach dem Lkw-Vorfall : Stille und Sirenengeheul an der Gedächtniskirche

Die Polizei hat das Gebiet um den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche großräumig abgesperrt. Bild: dpa

Nach der tödlichen Fahrt des schwarzen Sattelzugs durch die Buden eines Berliner Weihnachtsmarkts bietet sich den Rettungskräften ein schreckliches Bild. Noch suchen die Ermittler nach Beweisen für einen geplanten Anschlag.

          Es ist still unterhalb der Gedächtniskirche. Aus der Ferne sind immer wieder Sirenen zu hören, nur Telefone klingeln ununterbrochen. Etwa hundert Journalisten mögen es sein, die sich etwa fünfzig Meter von einem schwarzen Sattelschlepper entfernt versammelt haben, der mit zersplitterter Windschutzscheibe inmitten von weihnachtlich geschmückten Buden zum Stehen gekommen ist. Vom Bahnhof Zoo habe sich das Fahrzeug mit polnischem Kennzeichen dem Breitscheidplatz genähert, so berichtet es ein Polizeisprecher. Der Lastwagen sei dann auf das Gelände des Weihnachtsmarktes rund um die Gedächtniskirche gefahren und habe erst angehalten, nachdem er eine Bude unter sich begraben habe.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Schon bald nach dem Vorfall, der sich im kurz nach zwanzig Uhr ereignet hatte, war von neun Todesopfern die Rede, ebenso von zahlreichen Verletzten. Jetzt, zwei Stunden später, sind die Hilfskräfte immer noch damit beschäftigt, einen Überblick über die Lage zu gewinnen. Die Nachricht macht die Runde, ein Verdächtiger sei in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarktes aufgegriffen worden. Derzeit werde geprüft, ob es sich bei ihm um den flüchtigen Fahrer des Fahrzeugs handele. Der Sprecher bestätigte zudem, dass der Beifahrer in der Kabine des Sattelschleppers gestorben sei. Über die Todesursache konnte die Polizei keine Angaben machen. Schusswaffen waren wohl nicht eingesetzt worden.

          Immer wieder hatten die Sicherheitsverantwortlichen in den vergangenen Wochen und Monaten die Befürchtung geäußert, dass nach Frankreich auch Deutschland das Ziel eines Terroranschlags werden könne. Der neue Innensenator Berlins, Andreas Geisel (SPD), trat gegen 22 Uhr 15 am Ort des Geschehens vor die Presse. Er zeigte sich bestürzt über den Vorfall und bestätigte, dass mehrere Personen gestorben sein und zahlreiche Verletzte in den Krankenhäusern behandelt würden. Geisel sagte, es sei noch nicht klar, ob es sich um einen Terroranschlag oder um einen tragischen Unfall handele. Er rief die Berliner dazu auf, Ruhe zu bewahren und nicht in Alarmismus zu verfallen. Es gebe keine Hinweise, dass es an anderen Orten der Stadt zu einer ähnlichen Gefahr kommen könne. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen in dem Fall übernommen habe.

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