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Ständige Impfkommission : Astra-Zeneca-Impfstoff nur für unter 65-Jährige

Der Impfstoff von Astra-Zeneca wird in Deutschland wohl nur in begrenztem Umfang zum Einsatz kommen. Bild: Reuters

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Astra-Zeneca-Impfstoff nicht für alle Altersklassen. Ihre deutliche Stellungsnahme liegt der F.A.Z. vor.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Auch wenn damit zu rechnen ist, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Freitag den Impfstoff der Firma Astra-Zeneca nur für die Altersgruppe unter 64 zulassen wird, lässt die deutliche Stellungnahme der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) zur Bewertung der Impfstoffe aufhorchen.

          „Der Covid-19 Vaccine AstraZeneca wird aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen“, heißt es von der Stiko. Zur Beurteilung der Impfwirkung für ältere Menschen lägen keine ausreichenden Daten vor. Von dieser Einschränkung abgesehen hält die Stiko den Vektor-basierten Impfstoff jedoch für gleichermaßen geeignet.

          Von den 341 Geimpften der über 65 Jahre alten Probanden hatte sich nur einer mit dem Sars-CoV2-Virus infiziert. Da die Zahl der Probanden nicht ausreiche, lasse sich daraus keine statistisch signifikante Aussage ableiten, so die Stiko. Das bedeutet auch, dass für die derzeitig impfberechtigten Gruppen nur die beiden Impfstoffe von Biontech-Pfizer und Moderna in Frage kommen und der Astra-Zeneca-Impfstoff allenfalls für jüngeres Personal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen oder für die letzte Gruppe der Priorisierungsliste der Stiko in Frage kommt. In jedem Fall ist damit eine weitere Verknappung der Impfstoffe verbunden.

          Spahn für Impfgipfel

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bat angesichts dieser Lage wieder einmal um Geduld. „Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen“. Außerdem befürwortet Spahn den von SPD-Politikern vorgeschlagenen Impfgipfel. „Vertrauen in dieser Krise erhalten wir nur, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen“, twitterte der Gesundheitsminister. Auf diesem Impfgipfel sollten nicht nur die Ministerpräsidenten, sondern auch Vertreter der Pharmaindustrie zugegen sein. Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte, dass der Impfgipfel schon bald stattfinden soll. „Die Planungen dafür laufen und werden noch heute mit den Ländern abgestimmt“.

          Die Stellungnahme der Stiko zum Impfstoff von Astra-Zeneca ist für den britisch-schwedischen Pharmakonzern mit seinen rund 70.000 Mitarbeitern nicht das einzige Problem. Den Vorstandschef Pascal Soriot wurmt der Streit mit der EU bezüglich der Lieferungen. Die EU klagt, sie bekäme viel weniger Dosen des Impfstoffs als versprochen; statt zugesagter 80 Millionen im ersten Quartal nur 31 Millionen. Soriot gab sich zwar „sehr enttäuscht“ über die Produktionsprobleme in einem europäischen Werk; wies aber Vorwürfe zurück, dass sie bestimmte Mengen fest versprochen hätten.

          Im Impfstoff-Streit mit Astra-Zeneca inspizierten derweil belgische Behörden auf Bitten der EU-Kommission einen Produktionsstandort des Unternehmens in Belgien. Dies meldete die Nachrichtenagentur Belga. Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag zu Hintergrund und Ergebnis der Aktion allerdings nicht äußern.

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          Laut Belga beauftragte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke die Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte damit, den Standort in Seneffe zu besuchen. Man habe prüfen wollen, ob die vom Unternehmen ankündigten Lieferverzögerungen tatsächlich mit Problemen in dem belgischen Werk zusammenhingen, hieß es am Mittwochabend unter Berufung auf das Kabinett des Ministers.

          Astra-Zeneca hatte der EU mitgeteilt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung zunächst deutlich weniger seines Impfstoffs liefern zu wollen als vertraglich vereinbart. Das Unternehmen begründete dies mit Problemen in der europäischen Lieferkette. In der EU produziert es in Belgien und den Niederlanden.

          Unterdessen bekommt die Produktion des Biontech-Pfizer-Impfstoffes in der EU neuen Schwung. Das Pharmaunternehmen Sanofi hatte diese Woche angekündigt, den Impfstoff vom Sommer an in seinem Werk in Frankfurt-Höchst produzieren zu wollen. Die Kooperation bei der Impfstoffproduktion ist dabei alles andere als einfach und stellt die Konzerne vor große Herausforderungen.

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