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Stiftung für Migrantenkinder : Vom Wert afghanischer Märchen

Wer bei „Young Migrant Talents“ lernt, braucht im Unterricht schon bald kein Wörterbuch mehr Bild: dpa

Kein klassischer Nachhilfeunterricht: In Hamburg will die Stiftung „Young Migrant Talents“ Migrantenkindern dabei helfen, ihr Potential zu entfalten. Alle Beteiligten profitieren davon ungemein.

          Zeleikha Foladi hat gerade das Abitur bestanden. Sie ist zwanzig Jahre alt und die Erste in ihrer Familie mit Reifeprüfung. Ihre Eltern kamen vor vielen Jahren aus Afghanistan nach Hamburg. Sie selbst wurde in Hamburg geboren. Vier Kinder gehören zur Familie Foladi. Alle sollen gut lernen und ihre Chance in Hamburg nutzen. Zeleikha will Politikwissenschaft studieren und später in die Wirtschaft gehen, gern auch nach London.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Durch Vermittlung eines Lehrers profitierte sie 2008 von einer ungewöhnlichen Förderung: Sie wurde vom Verein „Young Migrant Talents“ unterstützt. Zeleikhas Schulkarriere ist in gewisser Weise typisch für kluge junge Leute mit Migrationshintergrund. Sie besuchte die Realschule und wechselte dann auf das Gymnasium. Dort aber wurde es ihr für eine Weile so richtig sauer. „Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Deutsch. Vor allem aber: Ich musste erst lernen, wie man richtig lernt“, erzählt sie. Sie hatte es bis dahin nicht nötig gehabt, konzentriert und zielgerichtet am Schreibtisch zu büffeln.

          Fachkräftemangel: Eine besondere Chance

          Das Forum Young Migrant Talents konnte ihr das beibringen. Für die Aufnahme gibt es keine formalen Kriterien wie etwa die Schulnoten, wohl aber ausführliche Gespräche und vier Wochen Probezeit. Sechs Stunden pro Woche sind die Schüler dann mindestens in den von Young Migrant Talents angemieteten Lernräumen wegen der Ganztagsschule zumeist erst am Abend und an den Wochenenden. Abgekürzt wird die Organisation YMT, die Teilnehmer nennen sich YMT’s. 2007 wurde YMT gegründet. Ein Foto von damals zeigt junge Leute, die den damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) umringen. Seit ein paar Wochen ist von Beust Schirmherr von YMT. Für ihn ist es ein konsequenter Schritt: Die Probleme bei der Integration, die Chancengleichheit für Migranten - das hatte ihn schon als Politiker immer wieder beschäftigt.

          Der frühere Erste Bürgermeister Ole von Beust ist Schirmherr des Programms

          Gegründet wurde das Forum, das als Verein organisiert ist, von Barbara Seibert. Sie hat sich schon vor Jahren, damals noch in Stuttgart, mit Fragen der Stadtentwicklung beschäftigt, den Umgang mit Flüchtlingen dabei eingeschlossen. In Stuttgart ging es noch um die bosnischen Flüchtlinge. Das brachte Frau Seibert auf die Idee von YMT. Sie entwarf ein Konzept, das in Hamburg überzeugte. So kam es, dass sie nach Hamburg zog, wo der Verein seinen Hauptsitz hat. Außenstellen gibt es in Stuttgart und, dank der Hilfe des evangelischen Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte, auch in der Hauptstadt. Vier Mitarbeiter in Teilzeit organisieren YMT. Hinzu kommen Verträge mit zwei Dutzend Dozenten. Die Hamburger Stadtentwicklungsbehörde gibt Projektgelder. Beteiligt an der Finanzierung sind mehrere Stiftungen. Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau gewährte eine einmalige Förderung. Aber nicht deshalb pflegt YMT eine rege Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Harburg. Vielmehr geht es um den Fachkräftemangel gerade in technischen Berufen - und damit eine besondere Chance für Migranten.

          „Ein guter Ort zum Lernen“

          Sergej Beskrownych etwa studiert in Harburg Elektrotechnik. Seine Familie zählt zu den deutschen Spätaussiedlern und kam vor 13 Jahren aus Kasachstan nach Hamburg. Sergej ist jetzt 23 Jahre alt. Sein Deutschlehrer schlug ihm vor, sich bei YMT zu bewerben. Sergej gehört zur ersten Generation der YMT’s und ist dort inzwischen selbst Dozent - für Mathematik und Physik. Sergej ist das, was man einen Überflieger nennt. YMT habe seine Allgemeinbildung ungemein befördert, sagt er. Deutsch allerdings habe er zuvor schon problemlos in der Schule gelernt. Er spricht ohne Akzent. Zu Hause aber wird zumeist Russisch gesprochen - wegen der Mutter. „Er hätte wohl auch ohne uns seinen Weg gemacht“, meint Frau Seibert. Aber nun gehört er zu denen, die als Alumni für YMT werben.

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