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Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ : „Wir bewegen uns auf schmalem Grat“

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Der Rat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat das Konzept seines Direktors Manfred Kittel „als gute Beratungsgrundlage“ gebilligt. Kittel wies die Kritik zurück, die Vertreibung der Juden werde nicht ausreichend gewürdigt.

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          Der Rat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat das Konzept seines Direktors Manfred Kittel am Montag einmütig „als gute Beratungsgrundlage“ gebilligt. Demnach wird das Schicksal nicht nur der deutschen Vertriebenen, sondern das von mehr als 30 vertriebenen ethnischen Gruppen im 20. Jahrhundert in den Blick genommen. Flucht und Vertreibung der Deutschen bilden einen „Hauptakzent“, wie das auch ein Beschluss der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 vorsieht. Die Vertreibung der Deutschen wird eingebettet in den Zusammenhang des 20. Jahrhunderts. Auch an die Vertreibung der Juden wird erinnert.

          Kittel sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag, die Kritik des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, sei deshalb „sachlich nicht nachvollziehbar“. Korn findet die Vertreibung der Juden in dem Konzept nicht ausreichend gewürdigt. Der Zentralrat lässt seine Mitgliedschaft wegen angeblich revanchistischer Tendenzen zweier stellvertretender Mitglieder des Bundes der Vertriebenen in dem Gremium ruhen.

          Kittel sagt dazu: „Wir bewegen uns auf schmalem Grat“. Man wolle Vertreibung und Vernichtung nicht „parallelisieren“. Im Übrigen wurde in der Sitzung am Montag, an der vom Zentralrat abgesehen alle Mitglieder teilnahmen und sich beteiligten, darauf verwiesen, dass es im Zentrum der Hauptstadt zahlreiche Stätten gebe, die an die Judenvernichtung erinnerten. „Wie man es macht, macht man es falsch“, sagte Kittel. Ende November soll über die Besetzung des wissenschaftlichen Beirats entschieden werden.

          Thierse: Stiftung ist beschädigt

          Vor Beginn der Sitzung hatte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) gesagt, die Stiftung sei beschädigt. „Das Projekt, das als ein Versöhnungsprojekt gedacht ist, hat durch die Auseinandersetzung mit Steinbach und dem Bund der Vertriebenen schon so viel Schaden erhalten, dass jetzt die Stiftung richtig arbeiten muss, damit da noch etwas Konstruktives entstehen kann“, sagte Thierse im Bayerischen Rundfunk. Das Projekt müsse „von jedem Verdacht frei sein, dass da irgendetwas mit Revanchismus zu tun habe, dass da die Deutschen von ihrer Schuld am Zweiten Weltkrieg, an Naziverbrechen, an Vertreibungen befreit würden“. In der als konstruktiv beschrieben Sitzung des Rates stimmte auch Thierse dem Konzept einstweilen zu.

          Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Steinbach war zunächst für den Stiftungsrat nominiert gewesen. Doch das wollte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) unter Berufung auf frühere Zusagen der Bundesregierung gegenüber Polen verhindern. Frau Steinbach verzichtete schließlich auf den Sitz.

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