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Sterbehilfe im Bundestag : Ein unmoralisches Angebot

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Daraus folgt aber nicht, dass der Suizid eine Handlung wäre, die es zu befördern oder gar seitens des Staates oder der Gesellschaft gutzuheißen gälte. Die Enthaltung im Urteil ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Suizid in Freiheit ausgeführt wird, frei von äußeren und inneren Bedrängnissen oder zustimmender Ermunterung.

Es ist die Grundlage eines jeden Gemeinwesens, jeglicher staatlicher Gemeinschaft und letztlich der durch unverbrüchliche Rechte verbundenen Menschheitsfamilie, dass die Existenz eines jeden Mitgliedes der Gemeinschaft seiner Nichtexistenz vorzuziehen ist. Diese Regel gilt ausnahmslos. Grundlage der Menschenrechte ist eine Präferenz für das Leben. Was abstrakt anmutet, ist auch der Alltagsintuition zugänglich. Daher sind Handlungen, die auf die Unterstützung eines Suizids gerichtet sind, verwerflich und ein unmoralisches Angebot. Das gilt insbesondere, wenn sie geschäftsmäßig und auf Wiederholung gerichtet erfolgen.

Noch mehr gilt das aus Sicht der ärztlichen Ethik. Es gehört zu den ärztlichen Pflichten, Leiden zu lindern, Krankheiten zu verhindern und zu heilen und Leben zu erhalten. Die Pflichten gelten gegenüber allen Patienten, ohne Ansehen der Person, gleich welcher Rasse oder Religion, unabhängig vom Versicherungsstatus und von der Schwere der Erkrankung. Daraus ergibt sich, dass die Hilfe beim Suizid keine ärztliche Aufgabe sein kann. Denn sie suggeriert als Angebot, das mit ärztlicher Autorität ausgestattet ist, soziale Akzeptanz, wo Enthaltung eines moralischen Urteils angezeigt ist.

Mehrheit der Ärzte lehnt Suizidassistenz ab

Diese Überzeugung und die entsprechende Zurückweisung der Suizidassistenz als mit ärztlicher Ethik nicht vereinbar hat die deutsche Ärzteschaft mehrfach durch ihre gewählten Vertreter bestätigt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass eine Minderheit der Ärztekammern dieses Verbot nicht in gleich unmissverständlicher Weise in ihre Landesordnungen übernommen hat. Als Bekundung eines ethischen Urteils ist die Ablehnung der Assistenz beim Suizid durch eine Mehrheit der gewählten Vertreter der Ärzte beachtlich.

Ungeachtet dieser Überzeugung ist es notwendig, die medizinische Praxis mit Blick auf den Umgang mit Suizidwünschen und insbesondere auf die Behandlung von Patienten am Lebensende einer Prüfung zu unterziehen. Denn es wird behauptet, der Respekt vor der Selbstbestimmung und die Besonderheiten einiger Grenzfälle, etwa bei der Betreuung von Patienten in der letzten Krankheitsphase, machten es notwendig, vom Verbot ärztlicher Suizidassistenz abzusehen. So bieten einige Organisationen Hilfe zum Suizid unabhängig davon an, ob bei Suizidwilligen der nahe Tod aufgrund einer Erkrankung zu erwarten ist. Sie begründen ihr Tun unter Verweis auf das Recht zur selbstbestimmten Lebensführung, das auch das Recht auf einen selbstbestimmten Tod umfasse.

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