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Sterbebegleitung : In der Grauzone

  • -Aktualisiert am

Nach der Debatte im Bundestag zeichnet sich ein gesetzliches Verbot für Sterbehilfevereine ab. Das ist gut. Die Grauzone aber, in der Ärzte in besonders tragischen Grenzfällen agieren, muss erhalten bleiben.

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          Es ist gut, dass sich schon nach der ersten Debatte über die Sterbebegleitung, die der Bundestag ungewöhnlich persönlich, emotional und doch differenziert geführt hat, ein gesetzliches Verbot für Sterbehilfevereine abzeichnet. Denn der Zulauf zu den Geschäftemachern mit dem Tod verweist auf einen gesellschaftlichen Missstand, der in der Debatte in aller Schärfe zutage trat: die mangelnde palliativmedizinische Versorgung und die fehlenden Hospizplätze sowie den Pflegenotstand.

          Es gehörte zu den besonderen Stärken dieser Orientierungsdebatte, die vielen noch unentschiedenen Abgeordneten bei der eigenen Meinungsbildung helfen sollte, dass die eigentlichen Fragen auf diese Weise ins Zentrum der Diskussion rückten. Klarer denn je wurde allen Abgeordneten, dass die Frage nach dem Tod im Grunde eine nach dem Leben ist und nicht ins gesellschaftliche Abseits oder in die Einsamkeit des Sterbezimmers verbannt werden darf.

          Am Umgang einer Gesellschaft mit dem Tod zeigt sich ihre Haltung zum Leben. Die große Mehrheit der Abgeordneten kann sich deshalb eine rechtlich explizit formulierte Erlaubnis zur Sterbehilfe nicht vorstellen. Die meisten wissen auch, dass die Grauzone, in der Ärzte in besonders tragischen Grenzfällen agieren, erhalten bleiben muss. Wenn es damit je Missbrauch geben sollte, womit nicht zu rechnen ist, weil die meisten Ärzte sich eine solche Gewissensentscheidung äußerst schwer machen und sie nur in einem echten Dilemma überhaupt in Erwägung ziehen, kann der Gesetzgeber immer noch einschreiten.

          Die geltende Rechtslage ist in der Tat klüger als vieles, was zur Neuregelung der Sterbehilfe vorgeschlagen wurde. Deshalb birgt eine Verrechtlichung des ärztlichen Freiraums der Gewissensentscheidung die Gefahr, dass die Sterbehilfe geradezu institutionalisiert wird. Damit würde das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten zerstört, weil der Kranke nie wüsste, wann das Helfen zum Töten wird.

          Die größte Schwierigkeit, die dem Gesetzgeber durch das Berufsrecht der Ärzte und die rigide Haltung der Bundesärztekammer entstanden ist, kann der Bundestag nicht lösen. Es wäre deshalb wünschenswert, dass die Bundesärztekammer ihre Position überdenkt und die ärztliche Gewissensentscheidung in Ausnahmefällen respektiert.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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