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Vorwurf von Thilo Sarrazin : Was in Schorndorf geschah

Behauptungen statt Recherchen: Thilo Sarrazin nimmt es mit den Fakten in seinem jüngsten Buch nicht immer so genau. Bild: dpa

Thilo Sarrazin behauptet, die F.A.Z. habe Ausschreitungen bei einem Stadtfest verharmlost. Diese Unterstellung wirft ein Schlaglicht auf seine eigene Vorgehensweise. Was unser Korrespondent Rüdiger Soldt dazu berichten kann.

          5 Min.

          Lässt sich ein Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einem Oberbürgermeister aus der schwäbischen Provinz per Telefon diktieren, wie er über Flüchtlinge zu berichten hat? Hat der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Juli 2017 bei der F.A.Z. interveniert, um einen Bericht über Ausschreitungen von Flüchtlingen auf einem Stadtfest zu entschärfen? Diesen Vorwurf erhebt Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Auf Seite 262 des Buches heißt es: „Die Meldung veranlasste offenbar den Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) zu einer Intervention bei der FAZ. In einer späteren Zeitung fehlt die Angabe zur Zahl der gewalttätigen Jugendlichen, auch fiel die Erwähnung der Übergriffe auf Frauen kürzer aus.“

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          In einem kürzlich erschienenen „Stern“-Interview, in dem er auf diese Stelle angesprochen wurde, konkretisierte Sarrazin seine Vorwürfe. Der Interviewer fragte den früheren Berliner Finanzsenator: „Glauben Sie tatsächlich, dass der Oberbürgermeister einer Kleinstadt bei der FAZ anruft und sagt: Nehmt die Sache mit den Ausländern raus! Und dass die FAZ dann brav spurt?“ Darauf antwortete Sarrazin: „Ein OB macht das so, wie ich das in meinen Staatsämtern auch getan habe. Wenn mir eine Meldung unzutreffend schien, sie eine falsche Tendenz wiedergab, habe ich den zuständigen Journalisten angerufen.“

          Meldung der Deutschen-Presse-Agentur

          Was aber ereignete sich an diesem Wochenende im Sommer des vergangenen Jahres wirklich, wie verlief die Recherche zu der Meldung am Abend des 16. Juli 2017 tatsächlich? Wie bilanzieren Polizei und Staatsanwaltschaft die Ereignisse heute?

          Das Polizeipräsidium Aalen gab um 16.24 Uhr eine Meldung mit der Überschrift „Sexuelle Belästigungen, Widerstand und Flaschenwürfe gegen Polizeibeamte“ heraus. Darin wurde über drei sexuelle Belästigungen am Freitag und eine am Samstag berichtet sowie über die Ausschreitungen im Schlosspark. „Im Schlosspark versammelten sich in der Nacht zum Sonntag zwischen 20:00 Uhr und 3:00 Uhr ungefähr bis zu 1000 Jugendliche und junge Erwachsene. Bei einem großen Teil handelte es sich wohl um Personen mit Migrationshintergrund. Hierbei kam es zu zahlreichen Flaschenwürfen gegen andere Festteilnehmer, Einsatzkräfte und die Fassade vom Schorndorfer Schloss.“

          Um 16.53 Uhr schickte die Deutsche Presse-Agentur, kurz dpa, eine Meldung an die Redaktionen – Überschrift: „Krawalle und sexuelle Übergriffe bei Volksfest in Schorndorf“. Berichtet wurde über die sexuellen Übergriffe und „bis zu 1000 junge Leute“, die im Schlosspark randaliert hätten. Der SWR übernahm die Meldung auf seiner Internetseite, auch regionale Zeitungen taten das.

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