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Trotz Absagen und Gegendemos : Steinwürfe und Festnahmen bei Corona-Demo in Leipzig

  • Aktualisiert am

Ohne Abstand, ohne Masken und vor allem ohne Genehmigung: Demonstranten in Leipzig gehen gegen die Corona-Politik und teilweise auch als Corona-Leugner auf die Straße. Bild: dpa

Auch nach den jüngsten Ausschreitungen gehen „Querdenker“ und Corona-Leugner wieder auf die Straße – in Leipzig ohne Genehmigung. Das Ergebnis: Zahlreiche Platzverweise, Straftaten und Verstöße gegen Corona-Verordnungen.

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          Auch diesen Samstag sind an vielen Orten in Deutschland Menschen zusammengekommen, um ihren Protest gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen auszudrücken. Nach der kurzfristigen Absage einer Kundgebung von Kritikern der Corona-Maßnahmen in Leipzig kam es zu nicht genehmigten Spontanversammlungen. Im Bereich des Marktes und der Großen Fleischergasse sowie der Windmühlenstraße wollte sich laut Polizei jeweils eine Personenzahl im dreistelligen Bereich beteiligen.

          Die Polizei musste Teilnehmer und Gegendemonstranten auseinanderhalten. In der Innenstadt trafen bis zum frühen Abend die gegensätzlichen Lager immer wieder aufeinander, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. „Im Bereich Große Fleischergasse stehen sich noch immer zwei Protestlager gegenüber. Unsere Kollegen trennen diese & unterbinden so ein Aufeinandertreffen“, hieß es. Teilnehmer aus dem Lager der Corona-Maßnahmen-Gegner versuchten, in Richtung Thomaskirche zu drängen, berichtete die „Leipziger Volkszeitung“. Weit sei die Gruppe jedoch nicht gekommen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, die Lage war zeitweise unübersichtlich.

          Am Abend meldete die Polizei dann, dass im Umfeld der Demonstrationen zwei Menschen
          festgenommen wurden. Im Stadtgebiet seien bei dem Einsatz zudem 18 Straftaten festgestellt worden, hieß es von der Polizeidirektion Leipzig. Dabei gehe es um Körperverletzungen und Landfriedensbrüche. Neun Tatverdächtige seien ermittelt worden. Nähere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

          44 Platzverweise seien erteilt worden und 113 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona Schutzverordnung gefertigt worden. Nach einem Angriff auf einen Journalisten erfolgte laut Polizei von Amts wegen eine Anzeige gegen Unbekannt. Laut Polizei gab es auch vereinzelte Angriffe auf Einsatzkräfte in
          Form von Steinwürfen. Eine endgültige Bilanz sei wohl erst am Sonntag möglich, so der Sprecher. Unter anderem sei eine Beamtin bei dem Einsatz leicht verletzt worden.

          „Wir haben die Chance, dass es ruhig bleibt“

          „Unser Ziel muss jetzt sein, gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern“, sagte ein Polizeisprecher, wie in einem Video der „Leipziger Volkszeitung“ zu sehen war. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von einem „Katz-und-Maus-Spiel“. Es gebe eine angespannte Situation, die die Polizei aber gut im Griff habe, sagte der SPD-Politiker. „Wir haben die Chance, dass es ruhig bleibt.“ Er sprach zugleich von einer ganz anderen Situation als bei der Leipziger „Querdenken“-Demonstration von vor zwei Wochen, die aus dem Ruder gelaufen war, und einer gut abgestimmten Strategie zwischen Polizei und Versammlungsbehörde.

          Die angemeldete Kundgebung von Kritikern der Corona-Politik wurde am Nachmittag überraschend abgesagt, obwohl schon Hunderte Menschen vor Ort waren. Der Versammlungsleiter der Kundgebung in der Innenstadt zog seine Anmeldung zurück, nachdem die Versammlungsbehörde nach Polizeiangaben sein „unvollständiges Attest zur Maskenbefreiung“ nicht akzeptiert hatte. Die Polizei hatte zuvor bereits den Zugang abgeriegelt, weil der Platz mit 500 Personen seine Maximalkapazität erreicht hatte. Alle Personen, die an der Versammlung auf dem Kurt-Masur-Platz teilnehmen wollten, wurden aufgefordert, den Bereich zu verlassen.

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