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Steinmeier über Spiegel : Weltfremde Politiker

Schöne Bilder: Die damalige rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Helfercamp im Ahrtal. Bild: Imago

Es geht nicht um die sogenannte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auch nicht um Fehler, sondern um die peinliche Kommunikation einer Spitzenpolitikerin.

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          Hier irrt der Bundespräsident: Anders als Steinmeier meint, hat der Rücktritt von Anne Spiegel gar nichts mit der sogenannten Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu tun. Wenn der erste Wechsel im Ampelkabinett „vielen Menschen in unserem Land“ etwas „vor Augen geführt“ hat, dann die Abgehobenheit einer weltfremden Berufsgruppe. Nicht wenige Menschen in diesem Land arbeiten mindestens genauso hart wie Spitzenpolitiker, haben auch Familie, kennen kaum Freizeit – jammern darüber aber nicht öffentlich. Sie stehen nicht im Scheinwerferlicht. Dieses Licht leuchtet auch in die privaten Winkel, und das unterscheidet in der Tat ein hohes politisches Amt von anderen Berufen.

          Aber diese Härte ist bekannt und frei gewählt. Es kann auch keine Rede davon sein, dass Fehler in der Politik nicht verziehen würden. Die meisten Rücktritte haben ihre Ursache gar nicht in Fehlern, sondern im Umgang mit ihnen.

          Im Fall der gescheiterten Bundesfamilienministerin und einstigen Landesumweltministerin war nicht der vierwöchige Urlaub (ja, so etwas gibt es offenbar) das eigentliche Skandalon, sondern die peinliche Kommunikation einer Spitzenpolitikerin, die doch schon früher deutlich gemacht hatte, dass es ihr vor allem um ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit geht. Und wie dieses Bild aussieht, darauf hat man Einfluss. Politische Profis überleben auch Desaster im Amt. Andere nicht. Ein Anlass für Staatstrauer ist das nicht.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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