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Steinmeier würdigt Polizisten : Der Held vom Reichstag

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigt Polizeihauptkommissar Karsten Bonack (rechts) Bild: dpa

Drei Polizisten haben sich am Samstag den Demonstranten vor dem Reichstag in den Weg gestellt. Einer von ihnen ohne Helm. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat ihn nun gewürdigt.

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          Als am Samstag mehrere hundert Demonstranten Absperrgitter vor dem Reichstagsgebäude überwinden und die Treppe zum Sitz des Deutschen Bundestags hochstürmen, schaffen es zunächst nur drei Polizisten, ihnen rasch hinterherzulaufen und sich vor sie zu stellen, um ein Eindringen zu verhindern. Einer von ihnen ist Karsten Bonack. Auf den Videos fällt er auf, weil er ohne Helm und nur mit einem Funkgerät in der Hand dafür sorgt, dass die Demonstranten, viele von ihnen offenbar Rechtsextremisten und „Reichsbürger“, nicht weiter vordringen. Bonack fordert die Leute auf, die Treppe zum Gebäude zu verlassen. „Ich möchte, dass du jetzt runtergehst“, sagt er in bestimmtem Ton zu einem Mann. Sein Gruppenführer und ein weiterer Beamter sichern derweil den Eingang mit dem Körper und schwingen den Schlagstock, bis nach wenigen Minuten Verstärkung kommt.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Bonack ist 53 Jahre alt und Chef der 5. Alarmhundertschaft der Berliner Polizei. Er ist seit mehr als 30 Jahren bei der Polizei der Hauptstadt, gehört zur Direktion 5, zuständig für die Bezirke Kreuzberg, Neukölln und Mitte, die mit Kriminalität besonders viel zu tun haben. Bonacks Einsatzgebiet war 20 Jahre lang Kreuzberg, vor allem der Kriminalitätsschwerpunkt Kottbusser Tor, berüchtigt als Umschlagplatz für Rauschgift. Bonack führte vor wenigen Jahren die „Einsatzgruppe Kotti“ mit einem Dutzend Beamter, die den Ort sicherer machen sollten. Sie gingen dafür vor allem abends und nachts in die U-Bahn und die Nebenstraßen. Bonack machte sich und seiner Einheit rasch einen Namen. Die Kriminellen sollten wissen, „dass wir nicht lange fackeln“. Nur so werde man ernst genommen, sagte er. Der Einsatz der Gruppe gegen Dealer, Räuber und Schläger machte sich bezahlt. Die Zahl der Körperverletzungen, Taschendiebstähle und Raubdelikte sank um die Hälfte.

          Am Samstag war die Berliner Polizei mit Augenmaß vorgegangen, sie ließ sich aber von der aufgepeitschten Menge der „Reichsbürger“ und Rechtsextremisten nicht den Schneid abkaufen. Allein vor der Russischen Botschaft Unter den Linden, wo 2000 Demonstranten aus der rechtsextremen Szene die Polizei provozierten und attackierten, gab es zweihundert Festnahmen. Der Einsatz war nicht ohne Risiko. Aus Bonacks Trupp wurden neun Polizisten verletzt, insgesamt waren es 33.

          Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen standen am Samstag auf den Stufen zum Reichstagsgebäude, zahlreiche Reichsflaggen waren zu sehen
          Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen standen am Samstag auf den Stufen zum Reichstagsgebäude, zahlreiche Reichsflaggen waren zu sehen : Bild: dpa

          Gerade noch wurde über Polizeigewalt in Deutschland diskutiert, nun sind Bonack und seine beiden Mitstreiter die Helden vom Reichstag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sie und weitere Polizisten am Montag mit einem Empfang im Schloss Bellevue geehrt und die Arbeit der Polizei gewürdigt, Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) besuchte eine Einsatzhundertschaft, um sich persönlich zu bedanken.

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