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1700 Jahre jüdisches Leben : „Ein unermessliches Glück für unser Land“

Feierstunde zum Auftakt des Jubiläums-Festjahres: Bundespräsident Steinmeier würdigt den Beitrag von Juden zu Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Bild: dpa

Zum Auftakt des Jubiläums-Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ würdigt Bundespräsident Steinmeier den großen Beitrag von Juden in allen Bereichen der Gesellschaft – und warnt vor neuem Antisemitismus.

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          Für die Stadt Köln, damals eine bedeutende römische Siedlung, wurde vor 1700 Jahren vom römischen Kaiser Konstantin ein Edikt ausgestellt, das erstmals jüdisches Leben auf deutschem Boden dokumentiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Sonntag den Beitrag, den Juden seither in Kunst, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft leisteten, und mahnte zugleich: „Unser Blick in diese 1700 Jahre Geschichte muss aber ein ehrlicher sein.“

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Fast immer seien Jüdinnen und Juden „als Fremde, zumindest als andere gesehen“ worden. Die Geschichte der Juden in Deutschland sei „eine von Emanzipation und Blüte“, aber auch „eine von Demütigung, Ausgrenzung und Entrechtung“.

          Steinmeier erinnerte an den deutschen Philosophen Moses Mendelssohn, der in der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert den Weg für Emanzipation und Gleichstellung der Juden bereitet habe. Er sagte, das Judentum habe „entscheidend zum Aufbruch Deutschlands in die Moderne beigetragen“.

          Nach dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden und dem „Zivilisationsbruch der Schoa“ sei der Gelehrte Leo Baeck überzeugt gewesen, dass „die Epoche der Juden in Deutschland ein für alle Mal vorbei“ sei. Dass es dennoch wieder jüdisches Leben in Deutschland gebe und es „sogar neu aufgeblüht“ sei und „voller Schwung“, sei auch den Zuwanderern aus den Staaten der einstigen Sowjetunion zu verdanken und jungen Israelis, die es hierher ziehe. Dies sei „ein unermessliches Glück für unser Land“.

          Der Bundespräsident warnte in der Feierstunde in der Kölner Synagoge zum Auftakt des Jubiläums-Festjahres aber auch davor, dass jüdisches Leben wieder stärker bedroht sei in einer Zeit, „in der Antisemitismus sich viel offener zeigt“. Junge Juden wollten hierzulande „keine Fremden, keine anderen“ mehr sein, sondern schlicht junge Menschen jüdischer Herkunft in einer vielfältigen toleranten Gesellschaft.

          Steinmeier sagte, die historische Erinnerung lehre: „Die Bundesrepublik Deutschland ist nur vollkommen bei sich, wenn Juden sich hier vollkommen zu Hause fühlen.“

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