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Steinmeier über Wulff : „Es bleiben Fragen offen“

  • Aktualisiert am

Frank-Walter Steinmeier Bild: dapd

„Zur Aufklärung hat die Erklärung von Christian Wulff wenig beigetragen“, kritisiert SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier im Gespräch mit der F.A.S.

          Herr Steinmeier, die Menschen pflegen sich geruhsame Weihnachtstage zu wünschen. Lässt der Politikerberuf so etwas zu, oder verbietet er jedes Durchatmen, Herr Steinmeier?

          Ich beklage mich nicht, denn niemand ist gezwungen, Politik als Hauptberuf zu machen. Vom Umfang und von der Art der Beanspruchung her geht es in der Politik nicht grundsätzlich anders zu als in anderen Spitzenjobs. Was diesen Beruf vielleicht von Managerjobs der Wirtschaft unterscheidet, ist die lückenlose Beobachtung durch Öffentlichkeit und Medien. Trotz alledem sage ich: Solche Zeiten zum Durchatmen und Nachdenken braucht jeder, man muss sich gelegentlich dazu bringen. Ich merke an mir selbst: Man wird nicht besser, wenn man im Hamsterrad nur ständig die Trittgeschwindigkeit erhöht.

          Wie sehr ist Politik nur noch eine Reaktion auf Schlagzeilen?

          Nicht nur noch, aber eindeutig zu häufig! Und wenn das so ist, ist das in erster Linie Schuld von Politik und Politikern selbst. Aber Veränderungen im Journalismus haben schon ihren Anteil an dieser Entwicklung: der wirtschaftliche Druck, die Konkurrenz um Aufmerksamkeit, die ständig das Spektakuläre sucht und es dort findet, wo es nicht ist. Die zugespitzte Schlagzeile bestimmt an vielen Tagen im Jahr die Richtung der Berichterstattung mehr als der klug recherchierte Artikel.

          Haben Sie den Eindruck, dass Glitter und Glamour für Politiker immer wichtiger werden?

          Ob das dauerhaft so ist, weiß ich nicht. Aber ohne Zweifel haben wir in diesem Jahr mit dem Scheitern von zwei geradezu exemplarischen Politikertypen eine Phase hinter uns, in der bloße Lautstärke schon für Substanz genommen wurde oder Herkunft und Abstammung als Ausweis von Qualität. Dass das für verantwortliches Handeln in der Politik nicht reicht, haben die Medien - gelinde gesagt - nicht immer mit der nötigen Deutlichkeit dargestellt. Vielleicht führt das Erschrecken darüber ja dazu, dass wir über die Kriterien der politischen Elitenbildung in Deutschland gründlicher nachdenken.

          Glittern und Glamour ist für Politiker ja schon deshalb schwer, weil sie, gemessen am Arbeitseinsatz, nicht so viel verdienen.

          Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss wissen, dass er nicht zu Luxusyachten, teuren Villen und Maseratis führt. Er sollte aber auch wissen, dass er als Politiker mehr verdient als die allermeisten in der Gesellschaft, die auch hart arbeiten und viel Verantwortung tragen im Job. Das Problem ist für mich nicht, dass Politiker zu wenig verdienen, sondern dass einzelne Einkommen in Wirtschaft, Showgeschäft und Sport jeder Vorstellungskraft entrückt sind. Das muss in unserer Gesellschaft von vielen als zynisch empfunden werden.

          Bundespräsident Christian Wulff hatte schon als niedersächsischer Ministerpräsident reiche Freunde. Darf man sich von denen beim Hauskauf mit einer geliehenen halben Million Euro helfen lassen?

          Eine alte Erfahrung in der Politik ist: Oft wird nicht eine falsche Entscheidung oder ein Fehler zum Problem, sondern der anschließende Umgang damit gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien. Hätte Christian Wulff im Niedersächsischen Landtag bei der ersten Anfrage umfassend Auskunft gegeben, wäre sicher manches gar nicht erst zum Thema geworden.

          Sehen Sie in der Tatsache, dass Herr Wulff von der Frau eines befreundeten Unternehmers ein Darlehen bekommen hat, an sich kein Problem für einen Politiker?

          Jeder, der politische Verantwortung trägt, muss schon den falschen Schein meiden. Die Entgegennahme des privaten Kredits vom Ehepaar Geerkens ist politisch sicher nicht klug gewesen.

          Nun hat der Bundespräsident sich öffentlich geäußert, seinen Fehler zugegeben. Wie bewerten Sie seinen Auftritt vom Donnerstag?

          Es ist gut, dass sich der Bundespräsident endlich persönlich geäußert hat. Er hat sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Das war das mindeste und seit Tagen überfällig.

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