https://www.faz.net/-gpf-9ji70

F.A.Z. exklusiv : Steinmeier trifft bedrohte Frankfurter Anwältin

Steinmeier möchte sich bei seinem Besuch in Frankfurt mit der Anwältin treffen, um ein vertrauliches Gespräch zu führen. Bild: dpa

Die Frankfurter Anwältin erhielt in den vergangenen Monaten mehrere Drohschreiben – unterzeichnet mit „NSU 2.0“. Jetzt will sich Bundespräsident Steinmeier mit ihr treffen.

          2 Min.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trifft am Donnerstag die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz. Das sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Gespräch wird den Angaben nach vertraulich sein. Steinmeier kommt am Donnerstag gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender nach Frankfurt, um mit Polizisten, Vertretern der Zivilgesellschaft und Bürgern über Fragen der Sicherheit und Kriminalität, aber auch Einwanderung und Integration zu sprechen. Der Besuch war nach Angaben einer Sprecherin Steinmeiers vor Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Frankfurter Polizisten vereinbart worden.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Kürzlich war bekanntgeworden, dass Basay-Yildiz ein weiteres Drohschreiben erhalten hat. Es ist das nunmehr vierte. Das Fax ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt in der Aufmachung mit den früheren Drohbriefen identisch. Diese waren unterschrieben mit „NSU 2.0“. In den Schreiben gab es Morddrohungen gegen die Anwältin, aber auch gegen ihre Tochter und andere Familienangehörige. Basay-Yildiz wurde darin zudem rassistisch beschimpft. Die türkischstämmige Anwältin war im NSU-Prozess als Nebenklägerin aufgetreten.

          Steinmeier erörtert Hintergründe und Ursachen des Falls

          Nach dem ersten Schreiben im August 2018 war bekanntgeworden, dass Hintergrundwissen über die Anwältin aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Frankfurter Beamtin abgefragt worden war. Im Zuge weiterer Ermittlungen wurde eine mutmaßliche rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt. Mehrere Beamte wurden seitdem vom Dienst suspendiert.

          Der Bundespräsident will sich am Donnerstagvormittag im Polizeipräsidium Frankfurt am Main zum Thema „Sicherheitslage, Kriminalität und Präventionsmaßnahmen im Kontext von Zuwanderung“ informieren.  Dabei wird er auch mit dem Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill sowie dem hessischen Innenminister Beter Beuth zusammentreffen, der in der Polizeiaffäre unter Druck steht. Bei dem Treffen im Polizeipräsidium würden auch Hintergründe und Ursachen des Falles angesprochen sowie Präventionsmöglichkeiten erörtert, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten.

          Später trifft Steinmeier am Donnerstag Mitarbeiter eines Integrationsprojektes für Flüchtlinge, außerdem lädt der Bundespräsident in einem Frankfurter Café zu einer „Kaffeetafel“ ein, wie er es schon in Chemnitz getan hatte. Vertreten sein werden sowohl Kritiker als auch Befürworter der Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre. Dabei will Steinmeier nach Angaben des Bundespräsidialamtes mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommt und Menschen mit verschiedenen Standpunkten zum Dialog ermutigen.

          In einer Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes heißt es, Frankfurt am Main stehe „exemplarisch für positive, aber auch für schwierige Entwicklungen in Großstädten. Hier werden die besonderen Herausforderungen für ein friedliches und gelingendes Miteinander in einem sehr diversen Umfeld sichtbar.“ Zum Abschluss besucht der Bundespräsident die Neue Altstadt Frankfurts.

          Weitere Themen

          Grünes Licht für die „Ampel“ Video-Seite öffnen

          Votum der Delegierten : Grünes Licht für die „Ampel“

          Der Länderrat der Grünen stimmt der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit SPD und FDP zu. Der SPD-Vorstand hat den Weg für die Aufnahme der Verhandlungen bereits freigemacht.

          Topmeldungen

          Innen nur 2-G: Und trotzdem bleibt, auch in diesem Braunschweiger Gasthaus, die Ansteckungsgefahr relativ groß.

          Vorschlag von Forschern : Acht Parameter gegen Corona

          Trotz 2-G-Regeln bleibt die Gefahr für eine Corona-Ansteckung in Innenräumen groß. Wissenschaftler um den Virologen Hendrik Streeck haben eine Checkliste entworfen, wie sich die Gefahr etwa in Restaurants verringern lässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.