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Steinmeier zum Mauerfall : „Wir haben neue Mauern gebaut. Reißen wir sie ein!“

Frank-Walter Steinmeier: „Quer durchs Land sind neue, unsichtbare Mauern entstanden. Reißen wir diese Mauern endlich ein!“ Bild: AFP

Vor dem Brandenburger Tor feiert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Ende der deutschen Teilung – und warnt vor neuen Trennlinien in der Gesellschaft.

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          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat  in Berlin den Fall der Berliner Mauer vor dreißig Jahren als „Glück für uns Deutsche und für ganz Europa“ beschrieben. Einer Menschenmenge am Brandenburger Tor rief er am Samstag zu: „Lassen Sie uns das feiern heute Abend!“

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Seinem Redemanuskript zufolge dankte Steinmeier nicht nur „den Mutigen in der DDR“, die damals, am 9. November 1989 „Geschichte geschrieben“ hätten. Er erinnerte auch an die Menschen in Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei, wo es in den Jahrzehnten vor dem Mauerfall immer wieder Erhebungen gegen die kommunistische Diktatur gegeben hatte. An die östlichen Nachbarvölker Deutschlands gerichtet sagte er: „Ihr Mut hat den Menschen in Ostdeutschland Mut gemacht. Ihr Mut hat die Teilung Europas beendet. Wir danken Euch dafür!“

          Der Bundespräsident hob zwei Führungspolitiker der Wendezeit besonders hervor: den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow sowie den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, der 1987 in einem berühmt gewordenen Auftritt am Brandenburger Tor die Sowjetunion aufgefordert hatte, die Teilung Berlins und Europas zu beenden. Steinmeier zitierte die Kernpassage aus Reagans damaliger Rede: „Tear down this Wall!“ – Reißen Sie die Mauer ein! „Diesem Amerika verdanken wir Deutschen viel“, fügte der Bundespräsident hinzu. „Und dieses Amerika als Partner in gegenseitigem Respekt, als Partner für Demokratie und Freiheit, gegen nationalen Egoismus – das wünsche ich mir auch in Zukunft.“

          Neben seinen Aufruf zum Feiern setzte Steinmeier allerdings die Aufforderung, auch die düstere Seite des Datums „9. November“ in Erinnerung zu behalten - die sogenannte Reichspogromnacht von 1938, als im nationalsozialistischen Deutschland tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Auch für diesen „Absturz in die Barbarei“ stehe der 9. November, und nach dem antisemitischen Anschlag von Halle im vergangenen Oktober sei es nötiger denn je, an das Versprechen des „Nie wieder“ zu erinnern. „Der Kampf gegen Rassenhass und Antisemitismus, diese Verantwortung vergeht nicht.“

          Die zentrale Feier zum Jubiläum des Mauerfalls findet am Samstagabend am Brandenburger Tor in Berlin statt.

          Am Ende rief Steinmeier dazu auf, nicht zuzulassen, dass die Einheit, die vor dreißig Jahren erkämpft worden sei, in Vergessenheit gerate. Quer durch das Land seien seither neue Mauern entstanden – „Mauern aus Frust, Mauern aus Wut und Hass. Mauern der Sprachlosigkeit und der Entfremdung.“ Die hätten die Deutschen seither selbst gebaut, und nur sie könnten sie wieder verschwinden lassen. „Also schauen wir nicht zu, klagen wir nicht drüber: Reißen wir diese Mauern endlich ein!“

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