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Mahnungen in Dresden : Steinmeiers Mindeststandard

Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in Dresden Bild: AFP

Beim Gedenken an die Opfer des Infernos von Dresden warnt der Bundespräsident vor einer Zerstörung der Demokratie von innen. Es gäbe Möglichkeiten, seine Sorgen zu entkräften.

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          Kriegsverbrechen haben im Zweiten Weltkrieg nicht allein die Deutschen begangen. Auch mit der Bombardierung Dresdens und anderer deutscher Städte im letzten Kriegsjahr wurde nicht nur die „Schattenlinie der Rationalität“ überschritten, wie Sinclair McKay in seinem Buch „Das Feuer und die Dunkelheit“ schreibt. Die Zerstörung Dresdens zeigte, dass die Alliierten ebenfalls in der Lage waren, einen „totalen“ Krieg zu führen – den freilich nicht sie erdacht, begonnen und „totaler und radikaler“ geführt hatten, „als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können“, wie Goebbels in seiner Sportpalastrede schrie.

          Der Bundespräsident hat beim Gedenken an die Opfer des Infernos von Dresden an diese Vorgeschichte erinnert, ohne deren Kenntnis der Angriff auf die unverteidigte Stadt unbegreiflich bleibe. Steinmeier wies, ohne etwas zu vergessen oder zu „relativieren“, darauf hin, dass die Zerstörung der Kulturstadt Dresden und ihrer Gesellschaft lange vor dem ersten Fliegeralarm begann. Zerstört wurde der Geist dieser Stadt nicht von Stabbrandbomben, sondern von den Brandsätzen des Nationalsozialismus.

          Die Warnung vor einem Weimar 2.0

          Die Frage, wie es möglich war, dass eine Kulturnation in die Barbarei marschierte und bis zum bitteren Ende den faschistischen Trommlern folgte, darf in der Tat nicht nur die Historiker interessieren. Ressentiments, die von den Nazis für ihre Zwecke angeheizt wurden, sind auch in der Gegenwart (wieder) erkennbar und politisch wirksam. Auch die Sehnsucht nach autoritärer Politik, vor der Steinmeier warnt, ist keine Wahnvorstellung – jedenfalls keine des Präsidenten.

          In Dresden ging Steinmeier sogar noch einen Schritt weiter: Zweifellos mit Blick auf Erfurt geißelte er den Versuch, „die Demokratie von innen zu zerstören“. Das ist die Warnung vor einem Weimar 2.0. Sie dürfte ihm Zustimmung, aber auch ein Quantum jenes Hasses einbringen, ohne den es offenbar nicht mehr geht, wenn über die Gegenwart und die Vergangenheit Deutschlands gestritten wird. Das mit Vernunft und Anstand zu tun, wie Steinmeier fordert, müsste Mindeststandard sein, wenn man seine Befunde widerlegen wollte.

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