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Demokratie und Journalismus : Steinmeier: Minütliche Tweets steigern nicht die Qualität der Politik

  • -Aktualisiert am

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht am Montag beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Deutschen Presseagentur in Berlin Bild: dpa

Zum 70. Geburtstag der Deutschen Presseagentur zeigt sich der Bundespräsident davon überzeugt, dass Demokratie Journalismus braucht. Echten Journalismus.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Überzeugung geäußert, dass Demokratie Journalismus brauche. „Nicht irgendeinen Journalismus, auch keinen, der Geschichten erfindet oder manipuliert, sondern einen, der recherchiert, prüft und analysiert, bevor er publiziert“, sagte Steinmeier am Montag in Berlin in einer Rede zum 70sten Geburtstag der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Politik sei im „Dauerfeuer der News und Fake-News“ mehr denn je auf verlässliche Quellen angewiesen, wie die dpa eine sei.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Steinmeier beschrieb die Auswirkungen der Digitalisierung und der sozialen Medien auf den Journalismus und die Politik. Nach wie vor gelte, dass Nachrichten immer erst geprüft werden sollten, bevor sie vermeldet würden. „Tatsächlich haben wir besser gearbeitet, geschlafen und übrigens auch regiert, als das Nachrichtengeschäft noch eine Profession war, die das voraussetzte.“ Das minütliche Absetzen von Tweets habe die Qualität der Politik nicht gesteigert, kritisierte Steinmeier. Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der weite Teile seiner Öffentlichkeitsarbeit über Twitter macht, erwähnte er dabei nicht. 

          Er beschrieb die Schwierigkeiten angesichts einer zunehmenden Nachrichtenflut, sprach von „Informationsfetzen“ und „Nachrichtenkonfetti“, das niemand mehr bewältigen könne. Wer wirklich zur Kenntnis nehmen wolle, was ihm an tatsächlichen und vorgeblichen Nachrichten über zahllose Kanäle, auf Plattformen und über digitale Netzwerke angeboten werde, wer noch dazu prüfen wolle, ob es sich um eine vertrauenswürdige Quelle und eine wahrheitsgemäße Darstellung handele, „müsste kapitulieren“.

          Doch warnte Steinmeier genau davor. Bevor Algorithmen nicht nur über die Auswahl dessen entschieden, was man als Nachrichten angeboten bekomme, sondern auch deren Analyse und Aufbereitung übernehme, wolle er dazwischenrufen: „Noch ist es der Zauberer, der den Besen bewegt!“ Damit spielte er auf die Ballade „Der Zauberlehrling“ Johann Wolfgang von Goethes an. Steinmeier zeigte sich trotz seines kritischen Blicks optimistisch: „Auch wenn wir Entwicklungen nicht aufhalten werden, so können wir sie doch beeinflussen.“ Er empfahl „Objektivität und Unabhängigkeit“ und gab der Deutschen Presseagentur die Empfehlung: „Lassen Sie sich nicht von der Digitalisierung erobern, sondern erobern Sie die digitale Welt.“ 

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