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18. März 1848 : Steinmeier besucht Friedhof der Märzgefallenen

Ein Grabstein auf dem Berliner Friedhof der Märzgefallenen Bild: EPA

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Donnerstag den Friedhof der Märzgefallenen besucht. Es war die erste Visite eines Bundespräsidenten an diesem Ort.

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          Die 255 Toten des 18. März 1848 haben keinen festen Platz im Gedenkkalender der Berliner Politik. Wenn der bürgerlichen Revolution gedacht wird, dann meist in Gestalt der Frankfurter Paulskirche, die später im Revolutionsjahr jene erste Nationalversammlung beherbergte, die das Streben nach Freiheit mit dem Wunsch nach nationaler Einheit verband.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Berliner Barrikadentoten haben aber einen festen Ort: Den Friedhof der Märzgefallenen. Dort wurden sie vor 173 Jahren gleich nach den Unruhen bestattet, auf einem Hügel im Friedrichshain, der ersten öffentlichen Parkanlage Berlins. Als die Gespanne der Leichenwagen damals im Trauerzug am Stadtschloss vorbeirollten, stand der preußische König auf dem Balkon und entblößte sein Haupt; die Revolution hatte für eine Weile gesiegt.

          An diesem Donnerstag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Friedhof im Friedrichshain besucht, einen Kranz niedergelegt, die Gräber betrachtet und die Ausstellungstafeln, die die Berliner Märzrevolution beschreiben. Gelber Ginster, gelbe Rosen, rote Gerbera und eine Kranzschleife in den Nationalfarben, die kaum irgendwo stärker für sich sprechen könnten als an diesem Ort, da Schwarz-Rot-Gold die Trikolore der damaligen Revolutionäre war. In den wenigen Gräbern, deren Gedenksteine noch vorhanden und identifizierbar sind, liegen meist Arbeiter und Handwerker, häufig sind die Berufe angegeben: Schlosser, Bäcker, Buchbinder.

          Steinmeiers Besuch ist die erste Visite eines Bundespräsidenten an diesem Ort. Gelegentlich kommt am Jahrestag der Berliner Regierende Bürgermeister für eine Gedenkminute vorbei; zum 150. Jubiläum der Revolution im Jahr 1998 seien auch mehrere Ministerpräsidenten zur Stelle gewesen, erinnert sich die Leiterin der Gedenkstätte. Der Friedrichshain liegt im Ostteil Berlins, bis 1989 waren die Märzgefallenen also in Obhut der DDR, die der Friedhofsanlage die Anmutung einer sozialistischen Weihestätte verliehen hat. In ihrer Gedenkkultur gebührte allerdings die größere Aufmerksamkeit den Revolutionstoten des November und Dezember 1918, die gleichfalls auf dem Friedhof im Friedrichshain bestattet wurden.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen am 18. März 2021 den Friedhof der Märzgefallenen.
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen am 18. März 2021 den Friedhof der Märzgefallenen. : Bild: dpa

          Der Bundespräsident hat schon viele Gelegenheiten wahrgenommen, Orte und Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte zu beleuchten und neu zu bewerten. Zur hundertsten Wiederkehr der Geburtsstunde der Weimarer Republik mahnte er, die erste deutsche Demokratie dürfe nicht nur von ihrem Ende, ihrem Scheitern und Untergang her verstanden werden, vielmehr sei auch ihr Beginn, ihr Fortschritt als anhaltendes Erbe zu würdigen.

          Auf dem Friedhof der Märzgefallenen sagte Steinmeier, der deutsche Weg zu einem demokratischen Gemeinwesen sei „von Rückschlägen und Katastrophen“ begleitet gewesen. Die Erinnerung an die früheren Wegmarken relativiere nicht den zentralen Bezugspunkt deutscher Geschichte – die Erinnerung an den Nationalsozialismus und die Lehre des „Nie Wieder“, die daraus zu ziehen sei. Vielmehr stärke das Gedenken an die damaligen „mutigen Menschen“ das gegenwärtige Bewusstsein für den Wert der Demokratie.

          Der Geschichtsverein, der heute den Friedhof der Märzgefallenen betreut, hat Berlin und den Bund überzeugt, dass neben der Gedenkstätte auch ein Bau für Ausstellungen und Unterricht entstehen solle. In einigen Jahren werden dann womöglich wenigstens Schulklassen und Touristengruppen öfters die Toten aufsuchen, die so lang schon im Schatten der Geschichte liegen.

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