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Steinmeier auf Galápagos : Eines Tages mehr Plastikmüll als Fische in den Meeren?

  • Aktualisiert am

Besuch eines bedrohten Paradieses: Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Strand der Insel Seymour Norte. Bild: dpa

Auf seiner Südamerika-Reise reist Bundespräsident Steinmeier auch auf die Galápagos-Inseln. Das bedrohte Inselparadies leidet unter dem zunehmenden Plastikmüll.

          Ganz ohne Plastik geht es auch auf den Galapagos-Inseln nicht. Ein Mädchen am Strand der Insel Santa Cruz spült im Meer den vielen Sand von ihren Kunststoff-Sandalen. Der Lutscher im Mund eines Jungen hat einen Plastik-Stiel. Aber die Inseln bemühen sich um Verzicht. Tüten aus Kunststoff sind verboten.

          In einem deutschen Regierungsflieger wird an Plastik bislang eher nicht gespart. Jedes Essensschälchen ist hygienisch in Frischhaltefolie gewickelt, jedes Besteck vor neuer Benutzung neu eingeschweißt. „Da gibt es schon Potenzial zu sparen“, findet Helene Radloff.

          Die 20 Jahre alte Medizinstudentin hat 2017 gemeinsam mit zwei Schulfreunden den Wettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen. Zwei Jahre später sind die drei früheren Klassenkameraden Teil der Delegation, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seiner Südamerika-Reise begleitet. Am Samstag sollte die gut fünftägige Reise auf den Spuren des Naturforscher Alexander von Humboldt enden, der vor mehr als 200 Jahren Südamerika erkundete und fasziniert war von der besonderen Flora und Fauna. Es ging auf dieser Reise also auch um Artenschutz, Klimaveränderung, Umweltbewusstsein – und ziemlich viel um Plastik.

          Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (M) lassen sich mit den Jugend-forscht-Teilnehmern die Problematik von Mikroplastik durch Jorge Carrion erklären.

          „Wenn wir weitermachen wie bislang, schwimmt bis 2050 womöglich mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen“, sagte Bundespräsident Steinmeier. Helene Radloff, Johanna Romahn und Felix Engelhardt würden da nicht widersprechen. Ihr „Jugend forscht“-Projekt zeigte 2017, dass Mikroplastik vielleicht viel tiefer in den Meeresboden eindringt und damit auch eine noch viel größere Belastung für die Meere ist als bis dahin von der Forschung angenommen.

          Die riesigen Plastikinseln, die inzwischen im Meer schwimmen, sind die sichtbaren Folgen des unbedarften Kunststoffkonsums. Mikroplastik – Teilchen bis zu einer Größe von fünf Millimetern – ist das nicht. Wie viel Schaden es in den Meeren anrichtet, ist nicht bis ins letzte Detail erforscht. Wissenschaftler haben aber längst herausgefunden, dass es Fische aufnehmen und das Plastik damit auch irgendwann in den Mägen anderer Tiere oder vom Menschen landet.

          Das bedroht auch das Naturparadies auf den Galapagos-Inseln. Freiwillige sieben auf Santa Cruz, einer der größeren Inseln, den Sand am Strand, um Plastikteilchen herauszufischen. Sie wollen es fernhalten von den Echsen, Leguanen, Blaufußtölpeln, Fregattenvögeln und Riesenschildkröten, die hier heimisch sind. Das Archipel ist ein einzigartiges Biotop. Besucher staunen über Tiere, die kaum natürliche Feinde haben und daher auch Menschen in ihrer Nähe tolerieren. Die Parkregeln erlauben maximal zwei Meter. Und dennoch: „Wer hier ist und sich ein bisschen umschaut, der merkt, wie bedroht dieses Paradies ist“, stellt Steinmeier fest, der als erster Bundespräsident die Inseln besuchte.

          Frank-Walter Steinmeier (r) bestaunt neben Jorge Carrion, Leiter für Ökosysteme des Nationalparks Galapagos, eine Schildkröte.

          Steinmeier hat auf seiner Südamerika-Reise das Miteinander von Natur und Mensch in den Vordergrund gestellt. „Wir haben nur einen Planeten“, mahnte er in seiner Rede an der katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito. Nicht nur Europa müsse sich mit dem Thema Plastikmüll befassen, sagte er. Konkrete Forderungen hatte der Bundespräsident nicht, merkte aber an, dass Verbote in der Vergangenheit durchaus Erfolg hatten.

          Dass beim Thema Plastikmüll endlich mehr geschieht, wünscht sich auch der Geschäftsführer der Charles Darwin Foundation, Arturo Izurieta. Die Einrichtung auf den Galapagos-Inseln, benannt nach dem berühmten Evolutionsforscher, will mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit zum Erhalt des Archipels beitragen. Ein neues Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt herauszufinden, woher der Plastikmüll auf den Galapagos-Inseln angeschwemmt wird.

          Funktionskleidung gegen Anzug: Steinmeier und seine Frau passen sich an die Wetterbedingungen auf den Galapagos-Inseln an.

          Das Thema Plastik erfordere eine ähnliche Anstrengung auf UN-Ebene wie der Klimaschutz, sagt Izurieta im Gespräch mit Steinmeier. Und auch die Jugend in der Delegation hat Ideen. Auf Plastikverpackungen könnte eine Steuer erhoben werden, schlägt Helene Radloff vor. Das könne Menschen dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern. Sie selbst ist im Alltag nach ihrem Forschungsprojekt inzwischen ziemlich konsequent. Kosmetikprodukte wie Deo oder Zahnpasta stellt sie selbst her, ohne Mikroplastik. Das sei ganz einfach: „Kokosöl, Natron und je nach Geschmack Pfefferminzöl.“

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