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Steinbrücks Nebeneinkünfte : Unterm Strich

  • -Aktualisiert am

In der Kritik: Peer Steinbrück Bild: dpa

Peer Steinbrück hat in den vergangenen Jahren mehr Vorträge als jeder andere Abgeordnete des Bundestags gehalten und ist dabei gut entlohnt worden. Wofür genau, will er nun offenlegen. Wer bei seinen Auftraggebern nachfragt, stößt auf Schweigen.

          Während seiner Zeit als Bundeskanzler litt Gerhard Schröder darunter, dass im Vergleich zu den Großverdienern, mit denen er zu tun hatte, sein Gehalt eher mickrig war. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt hat er dieses Problem rasch gelöst, indem er Bekanntheit und Kontakte durch entsprechende Tätigkeiten vergoldete - sei es als Aufsichtsratsvorsitzender für das Ostseepipeline-Konsortium, als Lobbyist beim Schweizer Verlag Ringier oder als Autor der Kanzlermemoiren.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Mann, der seit gut einer Woche Kanzlerkandidat der SPD ist und der Schröder als sein Vorbild nennt, gab sich, als er 2005 Bundesfinanzminister wurde, bescheiden. Seiner Frau und ihm gehörten „ein Haus in Bad Godesberg, ein Auto und Anlagen um die 100.000 Euro“, sagte Peer Steinbrück damals. Da seien keine Reichtümer, aber „wir sind wohlhabend“. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Finanzministers vier Jahre später beschloss er, richtig Geld zu verdienen. Seinem neuen Dasein als Volksvertreter im Bundestag konnte er viel Positives abgewinnen.

          „Seit ich einfacher Abgeordneter bin, mache ich neue, wunderbare Erfahrungen: Was ich da an Freiheit gewonnen habe, an Zeitsouveränität, das habe ich über die letzten zwei Jahrzehnte nicht gekannt“, schwärmte er. Die neue Freiheit nutzte der Sozialdemokrat. Seit dem Herbst 2009 hat er mindestens 80 bezahlte Vorträge gehalten. Das ist Rekord unter den Bundestagsabgeordneten. Selbst ein gefragter und talentierter Redner wie Guido Westerwelle kam in den Jahren 2005 bis 2009, als er noch nicht Minister, sondern Fraktionschef der Oppositionspartei FDP war, „nur“ auf 36 bezahlte Vorträge.

          Mehr als 7000 Euro pro Auftritt

          Schweigen ist Silber, Reden ist Gold: Steinbrück hat dafür mindestens 541000 Euro erhalten, wahrscheinlich mehr als das Doppelte. Denn Abgeordnete müssen nur eine bestimmte Stufe angeben, wenn es um die Honorierung ihrer Nebentätigkeiten geht. Steinbrück hat für 76 Vorträge die höchste Stufe 3 notiert, sie gilt für Honorare von mehr als 7000 Euro. In Wirklichkeit dürfte der Wert eines Redners vom Kaliber Steinbrücks eher bei 15.000 Euro je Auftritt liegen. Viele der Auftraggeber Steinbrücks lassen sich aus den veröffentlichten Angaben nicht erschließen, da dort nur die Redneragenturen angegeben sind, die Steinbrück engagierten. 30 Mal war das der Fall.

          Peer Steinbrück 2002 im Bergwerk Ost in Hamm, als er noch nicht über die „Freiheit“ und „Zeitsouveränität“ eines Bundestagsabgeordneten verfügte

          Im Jahr 2010 hielt Steinbrück 43 Vorträge. Das ist - rechnet man Urlaubszeiten ab - etwa ein Vortrag je Woche. Im Jahr darauf waren es noch 27 Vorträge. Die Tätigkeit ist mit An- und Abreisen verbunden, oft auch mit Übernachtungen. Steinbrück ist zudem 2009/2010 neun Monate mit der Abfassung seines Buchs „Unterm Strich“ beschäftigt gewesen, er schrieb täglich mindestens zwei Seiten. Das Buch war schon vor dem Erscheinen heiß begehrt, neun Verlage boten darum, ein sechsstelliges Garantiehonorar soll schließlich vereinbart worden sein. Die Startauflage betrug 100000 Exemplare. Eine Taschenbuchausgabe ist in zweiter Auflage herausgekommen. Kurzum: Steinbrück hat als Autor und Vortragsreisender mehr verdient als in seinen Zeiten als Finanzminister, in denen er im Monat knapp 13000 Euro brutto erhielt.

          Kein Kommentar

          Diejenigen, die Steinbrücks Vorträge finanzierten, halten sich eher bedeckt. Etwa die Anwaltskanzlei Freshfields, die zu der Zeit, als Steinbrück Bundesminister war, das Finanzmarktstabilisierungsgesetz und die Finanzmarktstabilisierungsfonds-Verordnung sowie 2009 ein dazugehöriges Ergänzungsgesetz erarbeitet hat. Steinbrück war dort im Jahr 2011 eingeladen, um aus seinem Buch vorzulesen. Das geschah im Rahmen der „Kölner Kranhaus-Gespräche“, zu denen für etwa hundert geladene Mandanten und Freunde der Kanzlei Gesprächspartner eingeladen werden, die man als interessant erachtet. Über diese Runden will man bei der Kanzlei nicht viel sagen, aus ihrem Umfeld ist nur zu erfahren, dass man es „nicht naheliegend“ finde, in der Sache Steinbrück nach einem möglichen Interessenkonflikt gefragt zu werden.

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