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Steinbrücks Nebeneinkünfte : Unterm Strich

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Auch bei den zahlreichen Banken, für die Steinbrück als Vortragsredner gewirkt hat, herrscht die Ansicht vor, dass Schweigen Gold sei. Man kommentiere die Angelegenheit nicht, heißt es bei J.P. Morgan Asset Management. Von der Deutschen Bank kommt überhaupt keine Antwort. Bei der Helaba Invest wiederum heißt es: „Herr Steinbrück hat im Rahmen einer Kundenveranstaltung einen Vortrag zur Thematik der Staatsverschuldung gehalten. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir darüber hinaus keine weiteren Auskünfte erteilen möchten.“

„Keynote Speaker“

Die Bank BNP Paribas lässt immerhin wissen, dass Steinbrück bei einem Abendessen, das im Anschluss an eine Konferenz stattfand, bei welcher der Abgeordnete nicht zugegen war, eine „Dinner Speech“ gehalten habe. Fünf bis sechs Mal im Jahr werden dort zu einem solchen Anlass Gäste eingeladen: Extremsportler, mal ein Benediktinerpater oder jemand aus dem „Behavioral Finance“. Steinbrück sprach 2010 „über ein allgemeines Thema“, Banken im Umbruch, Euro, so etwas, mit anschließender Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Redemanuskript liegt der Bank nicht vor, weil Steinbrück im Wesentlichen frei geredet habe. Über den Verdienst heißt es, er habe „im üblichen Bereich“ gelegen.

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In der großen Koalition politische Partner, bald Gegner im Wahlkampf: Kanzlerin Merkel, Steinbrück : Bild: dpa

Genaueres ist auch bei der Hypo Noe Gruppe Bank AG in Österreich nicht zu erfragen. Da war Steinbrück 2011 „Keynote Speaker“, wieder ging es um den Euro und die Krise. Steinbrück wurde damals nach Angaben einer Konzernsprecherin über die in Düsseldorf ansässige Agentur CSA Celebrity Speakers gebucht, die von Franz Beckenbauer über Boutros Boutros-Ghali bis hin zu Joschka Fischer allerlei Hochkaräter feilbietet - übrigens auch Helmut Kohl, von dem allerdings bezweifelt werden darf, dass er noch für Dinner Speeches zur Verfügung steht.

Die Hypo Noe Gruppe versichert, ihren Vertrag mit der CSA und nicht mit Steinbrück gemacht zu haben. Dieser muss also von der Agentur kontraktiert worden sein. Dennoch taucht in den Angaben Steinbrücks, die er auf seiner Bundestagsseite veröffentlicht hat, nicht die Agentur, sondern die Bank als Auftraggeber auf. Das ist zumindest bemerkenswert, denn in drei anderen Fällen wird eben nicht der eigentliche Auftraggeber, sondern Celebrity Speakers genannt. Bei der Agentur ist darüber allerdings nichts Genaueres zu erfahren, denn ihre Presseabteilung spricht nach eigenen Angaben „nicht mit der Presse“.

Entlohnung für Interview

Auskunftsfreudiger ist die in Hamburg ansässige „Agentur für Helden“, von der Steinbrück nach seinen Angaben einmal vermittelt wurde. An wen, will der Inhaber der Agentur, Andreas Kirsche, der sich selbst „Mut-Macher“ und „Helden-Hunter“ nennt, nicht sagen. Seine Agentur führt den früheren Ministerpräsidenten genauso wenig in ihrem Referentenpool wie die CSA. Sie war nach Kirsches Angaben aber gern bereit, auf Anfrage eines Unternehmens auch an Peer Steinbrück heranzutreten. Das ist nicht ungewöhnlich, exklusive Bindungen an eine Agentur sind in der Branche nicht üblich.

Ebenfalls unüblich: über Preise und Provisionen zu sprechen. Nur so viel sagt Kirsche: „Wir reichen die Honorarforderungen der Redner an die Kunden weiter.“ Der Markt, der in dieser Branche noch zu funktionieren scheint, regle das Übrige. Für Steinbrück offenbar zum Besten: Selbst für ein lediglich zehn Fragen umfassendes Interview, welches Brunswick, ein Beratungsunternehmen für Kommunikation, mit dem leibhaftigen Steinbrück führte, um es dann der Firma Bilfinger zur Auflockerung von deren Geschäftsbericht zu verkaufen, erhielt Steinbrück mehr als 7000 Euro. Im Journalismus mag das unüblich sein, der SPD-Politiker aber rechnet nach Insiderangaben anders: Ob er eine Stunde für eine Rede oder eine Stunde für ein Interview aufwendet, ist unerheblich, da er beide Mal seine knapp bemessene Zeit zu opfern hat.

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