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Hochfliegende IMINT-Drohnen : Bundeswehr gibt weiteres Drohnen-Projekt auf

  • -Aktualisiert am

Sollen das Luftaufklärungspotenzial der Nato verbessern: Global Hawk-Drohnen wie hier Ende November auf der italienischen Luftwaffenbasis Sigonella auf Sizilien. Bild: OR-7 Christian Timmig

Die Bundesregierung hat das Vorhaben aufgegeben, bis zu vier hochfliegende IMINT-Drohnen zur optischen Aufklärung zu beschaffen.

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          Um eine zeitgemäße Luft-Boden-Aufklärung zu erreichen, träumten Deutschlands Streitkräfte seit langem von hochfliegenden IMINT-Drohnen zur optischen Aufklärung. IMINT steht für „Imagery Intelligence“. Dazu war der Kauf von bis zu vier Drohnen der größten Klasse HALE vorgesehen; basierend auf dem amerikanischen System Global Hawk. Entsprechende Planungen wurden 2012 bekannt. Die Militärplaner rechneten mit 566 Millionen Euro für die Umsetzung.

          Dieses Vorhaben hat die Bundeswehr nun aufgegeben. Das ergab eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko an das Verteidigungsministerium. Das Konzept sah vor, mit den IMINT-Drohnen als „nationale Beistellung“ die kommende Nato-Bodenüberwachung zu ergänzen. Die Aufstellung dieser „Alliance Ground Surveillance“ - kurz AGS - mit Global Hawk Drohnen der Block-40-Variante befindet sich in den letzten Zügen. Vor kurzem erfolgte der Transfer der letzten von fünf Drohnen zur italienischen Luftwaffenbasis Sigonella auf Sizilien. Die Indienstnahme sollte Ende dieses Jahres erfolgen, verzögert sich aber aufgrund der Corona-Pandemie auf das Folgejahr. Für 2022 plant die Nato mit der vollen Einsatzbereitschaft von AGS. 

          In dieser Phase, wenn AGS in Betrieb geht, wollte die Bundeswehr endgültig über die eigenen IMINT-Drohnen entscheiden. Eine Beschaffung sollte dann ab 2023 erfolgen. „Es gibt weder Nato-Forderungen noch nationale Planungen, AGS eigene hochfliegenden HALE-Drohnen beizustellen“, heißt es im Antwortschreiben des Verteidigungsministeriums, das FAZ.NET vorliegt. An AGS selbst ist Deutschland nach den Vereinigten Staaten das Nato-Land mit der größten Beteiligung – circa 500 Millionen Euro flossen bis dato. Zu den Gründen für den Verzicht auf die IMINT-Drohnen machte das Verteidigungsministerium keine Angaben. Der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko begrüßt die Aufgabe des Vorhabens. Dieses hätte sich als Teil von AGS einseitig gegen Russland gerichtet. Zudem bewahre der Verzicht die Bundeswehr vor einem weiteren Milliardengrab.

          In der Tat investierte die Bundeswehr seit dem Beginn der 2000er Jahre erfolglos bereits dreistellige Millionenbeträge, um sich mit hochfliegenden HALE-Drohnen  für eine zeitgemäße Luft-Boden-Aufklärung auszurüsten. Anfang des Jahres mussten Deutschlands Streitkräfte ihr Drohnen-Projekt „Pegasus“ begraben. Auch hier wollte die Bundeswehr vier HALE-Drohnen beschaffen; diesmal für die Signalaufklärung - „Signal Intelligence“, englisches Kürzel SIGINT. Dafür war ein Global Hawk-Derivat vorgesehen - die Drohne Triton. Das fertige SIGINT-Aufklärungsmodul soll nun in kleine Business-Jets des Typs Global 6000 verwendet werden.

          Steigende Kosten als Grund?

          Laut offizieller Darstellung sind steigende Kosten der Grund für den Abbruch des Projekts „Pegasus“. Zudem hätte Deutschland die zugesagte Nato-Forderung nach einer Erstbefähigung ab 2025 nicht einhalten können. „Pegasus“ lief seit 2014. Im Jahr davor scheiterte das Vorgängerprojekt „Euro Hawk“ zur Beschaffung von Global-Hawk-Drohnen für SIGINT, ebenfalls an einer Kostensteigerung. Es stellte sich heraus, dass eine Zulassung der Drohne nach Bundeswehr-Richtlinien weitere 500 Millionen Euro gekostet hätte. Da lief das Projekt bereits über mehr als eine Dekade. Von 2000 an betrieben Deutschlands Streitkräfte den Kauf der Global-Hawk-Drohne.

          Im Jahr davor war der Bundeswehr empfindlich ihr Unvermögen vor Augen geführt worden, sich für ihre Operationen ein umfassendes Lagebild zu erstellen. Im Kosovokrieg 1999 waren die Deutschen auf amerikanische Technologie wie Satelliten angewiesen. Bei den Angriffen ihrer Tornados musste die Bundeswehr darauf vertrauen, dass die Zielauswahl der Amerikaner deutschen Einsatzregeln entsprach. Seit dieser Erfahrung ist die Bundeswehr darauf erpicht, die eigenen Aufklärungsfähigkeiten über HALE-Drohnen zu verbessern.

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