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Corona-Pandemie : Droht uns ein zweiter Lockdown?

Ohne Maske: Die Infektionszahlen steigen wieder drastisch. Bild: dpa

Die Maßstäbe der Corona-Politik haben sich verschoben. Auch für diese Krise gilt: Unsere Herzen sind weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich.

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          Steht uns ein zweiter „Lockdown“ ins Haus? Auch wenn die Corona-Kurve darauf hindeuten könnte, ist nicht zu erwarten, dass die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten am kommenden Donnerstag, wenn sie sich seit langer Zeit wieder zur Videokonferenz treffen, so vorgehen wie vor dem 22. März: Wir warten ab, wie vernünftig die Leute am Wochenende sind, und entscheiden erst dann über Hammer-Maßnahmen. Damals war es Markus Söder, der dem Kanzleramt das Heft aus der Hand nahm und die Reißleine zog.

          Jetzt spricht Vieles gegen einen neuen Hammer, aber alles für einen schwierigen Tanz. Es geht vorerst allenfalls darum, ob Sperrstunden verhängt und private Feiern eingeschränkt werden müssen, ob es eine Maskenpflicht im Schulunterricht geben muss, ob Quarantäne einheitlich geregelt wird oder wann Corona-Tests kostenpflichtig sein sollten.

          Seit Tagen wird hingegen aus Berlin und aus den Ländern versichert: Schulschließungen, gesperrte Kindergärten, geschlossene Restaurants oder Kontaktsperren stehen nicht zur Debatte.

          Das hat nicht nur „wissenschaftliche“ Gründe. Innerhalb weniger Monate haben sich die Maßstäbe verschoben. Es geht nicht mehr darum, um jeden Preis Infektionen zu verhindern. Das hieße, Arbeitswelt, Unternehmertum, Öffentlichkeit und Privatsphäre dauerhaft und radikal zu verändern.

          Richtschnur ist zwar immer noch die Gefahr einer exponentiell wachsenden Pandemie. Den letzten Ausschlag aber gibt die Belastung der Krankenhäuser, die daraus folgt, wie tolerant der Staat auf die Leichtsinnigkeit der Spaßgesellschaft reagiert. Für die Corona-Krise schält sich dabei eine ganz ähnliche Maxime wie in der Flüchtlingskrise heraus: Unsere Herzen sind weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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