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SPD-Reaktion auf Gaschkes Vorwürfe : „Ein Lehrstück über Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Hybris“

Susanne Gaschke (im Hintergrund) und Torsten Albig auf einem Foto im September 2013 - kurz vor dem Rücktritt Gaschkes als Kieler Oberbürgermeisterin. Bild: dpa

Susanne Gaschke wirft der Kieler SPD und der Landesregierung von Schleswig-Holstein in ihrem Buch „Volles Risiko“ eine beispiellose Intrige vor. Jetzt antwortet Ralf Stegner in der F.A.Z.

          Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner hat in einer Rezension das Buch Susanne Gaschkes „Volles Risiko“ heftig kritisiert. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (hier in der digitalen Ausgabe lesen) schreibt Stegner, dass sich Gaschke darin als Opfer einer „einzigartigen Verschwörung“ darstelle. Gaschke sei aber als Kieler Oberbürgermeisterin nicht deshalb gescheitert, weil eine Kieler Intrige sie zu Fall gebracht habe, sondern weil sie sich für klüger gehalten habe als alle anderen. „Dann liegen die Bananenschalen, über die man stürzen kann, kiloweise aus.“ Das Buch sei eine „Lehre über Selbstgerechtigkeit und Larmoyanz und das Scheitern an Hybris.“

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Journalistin Gaschke verarbeitet in ihrem Buch, das vergangene Woche erschienen ist, ihre Erfahrungen als SPD-Politikerin und Kieler Oberbürgermeisterin. Sie war vor knapp einem Jahr, im Oktober 2013, zurückgetreten, nachdem ihr in der Stadt und in der eigenen Partei eigenmächtiges Verhalten vorgeworfen worden war.

          Gaschke wendet sich in ihrem Buch gegen einen Politikstil, der „auf persönliche Vernichtung des Gegners“ ziele. Sie hatte schon im Oktober 2013 ihre Gegner in der Kieler SPD als „testosterongesteuert“ bezeichnet. Als Repräsentanten dieses Stils stellt sie auch jetzt besonders den Ministerpräsidenten Torsten Albig und Ralf Stegner dar, der als mächtigster SPD-Politiker im Norden in seiner Umgebung „nicht selten ein Gefühl von nur mühsam beherrschter Aggressivität“ verbreite. Stegner ist Landesvorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein und Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag.

          Stegner und Albig hatten Gaschke im September 2013 vor einem Scheitern gewarnt und ihr schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. In der Sache ging es um den Verzicht der Stadt Kiel auf einen Teil der Steuerschuld eines Kieler Arztes. Davon versprach sich die Stadt die Zahlung der Restschuld, die sich in einem jahrelangen Streit angehäuft hatte. Albig hatte, als er selbst noch Oberbürgermeister Kiels und Vorgänger Gaschkes war, eine Vereinbarung vorbereitet, aber nicht entschieden.

          Stegner schreibt in seiner Besprechung, dass es in dem Kieler Konflikt nicht um „Quereinsteigerin versus Politik-Profi“ gehe. Nach ihrer Nominierung und ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin - Albig und Stegner hatten in der SPD-Mitgliederbefragung eine andere SPD-Kandidatin unterstützt - habe sich die SPD gewünscht, dass Gaschke „mit ihren erfrischenden Erkenntnissen, die sie als Politik-Quereinsteigerin mitbrachte, besondere Porblemlösungskompetenzen in Kiel zeigen würde.“

          Auf die Gründe ihres Scheiterns gehe Gaschke in ihrem Buch gar nicht ein. Albig habe in seiner Amtszeit seine Entscheidung über den Steuerdeal an Voraussetzungen knüpfen wollen, die Gaschke dann missachtet habe. Das sei ein handwerklicher Fehler von ihr gewesen, der zur Krise führte, die aber nicht mit ihrem Rücktritt hätte enden müssen.  „Es ist der Umgang mit dieser Krise, der eben auch im Fall von Susanne Gaschke zum Abgang von der politischen Bühne geführt hat.“ Das werde in diesem Buch deutlich belegt, schreibt Stegner in seiner Besprechung. Das Buch hält Stegner dennoch für lesenswert - wenn auch nur „für graue Novemberabende an der Förde“.

          Ralf Stegners Rezension lesen Sie in der F.A.Z. vom Dienstag, der F.A.Z.-App oder der E-Paper-Ausgabe.

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