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Stasi-Mitarbeit : Birthler gesteht Fehler - Wallraff wehrt sich

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Vom November 1967 an wurde Wallraff erst in einem "Objektvorgang" und dann in einem eigenen Vorgang (mit der Registriernummer XV 485/68) als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Auslandsgeheimdienstes, der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit, geführt. Sein Deckname war IM "Wagner". In den Unterlagen wird er als "A-Quelle" bezeichnet. A steht für "Abschöpfung" und bedeutet, daß der Mitarbeiter andere Personen für die Stasi abschöpfte. Geführt wurde "Wagner" über Jahre hinweg von Heinz Dornberger, dem Mitarbeiter Nr. 535 der Abteilung X. Im Jahr 1971 wurden die Unterlagen über Wallraff abgelegt. "Hinweise auf eine aktive Tätigkeit als IM ,Wagner' liegen für den Zeitraum 1968 bis 1971 vor", sagt Birthler.

Sechs Lieferungen des IM "Wagner"

Mit den Informationen aus den sogenannten Rosenholz-Akten konnten sechs Lieferungen des IM "Wagner" aus dieser Zeit im Posteingangsbuch Sira gefunden werden. Dort wird aufgeführt, daß der IM Informationen über Luftfahrt-Medizin, psychologische Kriegsführung, Schußgeschwindigkeit, über chemische Waffen, über die Bayer AG und die Luftstreitkräfte sowie über den Arbeitnehmerverband Gesamtmetall geliefert hatte - zum Teil wurden die Informationen von der HVA mit der Vertraulichkeitsstufe "VVS 2" belegt und an den Geheimdienst der Sowjetunion weitergegeben.

Im Jahr 1976 - nach der Ausweisung des Dichters Wolf Biermann aus der DDR - schreibt Dornfelder auf Anforderung der Hauptabteilung XX, die Informationen über alle tatsächlichen und vermeintlichen Freunde und Unterstützer Biermanns sammelte, einen Bericht über Wallraff.

"Einige brauchbare Ergebnisse"

Der Bericht enthält einen Lebenslauf und eine Bibliographie der Bücher Wallraffs. Unter "Einschätzung" heißt es, im April 1968 sei Wallraff "direkt angesprochen und zu einer Zusammenarbeit mit dem Nachrichtendienst der DDR geworben" worden. Es seien "einige brauchbare Ergebnisse erzielt" worden, diese hätten jedoch "in keinem Verhältnis" zu den Möglichkeiten des Inoffiziellen Mitarbeiters gestanden: "Ab 1972 konnte die Entwicklung ,Wagners' fast ausschließlich nur noch durch Veröffentlichungen und Berichte dritter Personen beobachtet werden. Die wenigen Treffs reichten für eine umfassende Einschätzung nicht aus (. . .) Berichte aus dem Operationsgebiet über ,Wagner' deuten an, daß er abzurutschen begann." Er werde nun, heißt es, "stärker aus abwehrmäßiger Sicht bearbeitet".

1971 war ein anderer IM enttarnt worden, mit dem Wallraff sich in Kopenhagen getroffen hatte. Dazu heißt es in Dornfelders Bericht von 1976: "Als ,Wagner' von der Festnahme des ,Friedrich' erfuhr, führte er panikartige Handlungen durch", unter anderem habe er sich einer "Kontaktperson" des MfS gegenüber als MfS-Mitarbeiter offenbart. Noch 1988 legte die HVA über IM "Wagner" einen der nur 2000 überlieferten "Statistikbögen" an, auf denen Angaben über ihr besonders wichtige Mitarbeiter festgehalten wurden. Auch diese Bögen gehören zu den Unterlagen, die kürzlich aus den Vereinigten Staaten zurückkamen. Warum die Stasi Wallraff noch 1988 als IM führte, als er längst politisch von der DDR abgerückt war, ist nicht bekannt.

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