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Stasi-Agenten bei der SPD : Für Verdienste um Volk und Vaterland

Klopf, klopf: Wer ist denn da? Bild: fStop

Die Stasi-Agenten mit den Namen „Bob“ und „Petra“ spähten die SPD aus. Ein Ehepaar aus Bonn bestreitet jede Beteiligung. Und ein Forscher muss allein vor Gericht.

          Ein Stück Rheinufer in Bonn erinnert neuerdings an den Frühsozialisten Moses Hess, einen Freund von Karl Marx. Für die Umbenennung starkgemacht hat sich Wolfgang Deuling. Der 71 Jahre alte Soziologe engagiert sich in der Linkspartei, kürzlich konnte er Gregor Gysi am Moses-Hess-Ufer begrüßen. Auch für die Errichtung eines Denkmals auf dem Bonner Marktplatz, das an die Bücherverbrennung durch die Nazis 1933 erinnern soll, setzt er sich ein. Für „Die Linke“ in Nordrhein-Westfalen verfasst er Denkschriften und Konzepte. In seinen „kommunalpolitischen Grundsatzüberlegungen“ fordert er etwa „grundsätzliche Offenheit und Einsehbarkeit aller Verwaltungsvorgänge“.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das Schreiben politischer Berichte kennt Deuling seit Jahrzehnten - als Referent in der „Baracke“, der Bonner SPD-Zentrale, wo er seit Juni 1971 arbeitete, gehörte das zu seinen Aufgaben. Als Angestellter beim Parteivorstand war er 1972 dafür zuständig, Hintermänner in der CDU/CSU zu finden, die Geld für anonyme Anti-SPD-Annoncen gaben. Ein schwieriges Unterfangen.

          „Bob“ und „Petra“ waren zwei Stasi-Mitarbeiter in der SPD

          Es sei „fraglich“, so zitierte der „Spiegel“ damals Deuling, „ob man in jedem Fall bis zur Quelle vorstoßen kann“. 1981 stieg er zum persönlichen Referenten von „Ben Wisch“ auf, wie der SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski wegen seiner glänzenden Kontakte in der arabischen Welt genannt wurde. Wischnewski gehörte zum inneren Führungskreis der SPD, war Vertrauter von Kanzler Helmut Schmidt. Deuling, der bis März 1982 diese Stelle innehatte, erfuhr nahezu alles, was über Wischnewskis Schreibtisch ging. Seine Ehefrau Barbara war zur gleichen Zeit als Mitarbeiterin in der SPD-Bundestagsfraktion tätig.

          An all dem wäre nichts Besonderes, gäbe es nicht „Bob“ und „Petra“. Diese Namen gab die Auslandsspionage der DDR zwei Inoffiziellen Mitarbeitern in der SPD. Von dort, wo Wolfgang Deuling arbeitete, wurden dienstliche Dokumente von IM „Bob“ an die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) geliefert; von dort, wo seine Frau tätig war, kamen solche von IM „Petra“. Das Ehepaar will sich heute auf Anfrage dazu nicht äußern. Ihr Anwalt Helmuth Jipp teilt mit, seine Mandanten hätten „zu keiner Zeit bewusst und gewollt für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR gearbeitet“.

          951 Dokumente und Berichte geliefert

          Wer nahelegt, bei dem Ehepaar handele es sich um die Informanten der Staatssicherheit, der muss sich auf rechtliche Folgen gefasst machen. So erging es etwa dem Filmemacher und Autor Heribert Schwan oder der Vereinigung für Opfer des Stalinismus. Der Jüngste in dieser Reihe ist der Forscher Helmut Müller-Enbergs. Der Mitarbeiter der Stasi-Unterlagen-Behörde hatte vor drei Jahren aufgedeckt, dass der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 die Todesschüsse auf den Studenten Benno Ohnesorg abgab, ein Stasi-Spitzel war.

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