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Stabmusikkorps-Leiter Wörrlein : Märsche für Wulff

Musik mit Stahlhelm: Das Stabmusikkorpsder Bundeswehr Bild: dapd

Oberstleutnant Volker Wörrlein leitet den größten Spielmannszug, den die Bundesrepublik anzubieten hat. Am Donnerstagabend werden er und sein Stabsmusikkorps für Christian Wulff den Marsch blasen.

          Das „Haus-und-Hof-Orchester der Republik“ hat Oberstleutnant Volker Wörrlein einmal sein Stabsmusikkorps genannt. Wenn ein Präsident, Monarch oder Regierungschef mit rotem Teppich empfangen wird, spielt es die Nationalhymnen. Wenn ein Staatsbankett abgehalten wird, steht es für die musikalische Untermalung zur Verfügung. Werden Botschafter akkreditiert, verleiht es dem Akt Glanz.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Und wenn in Berlin ein Minister, Kanzler oder Bundespräsident mit dem militärischen Zeremoniell eines großen Zapfenstreichs aus dem Amt verabschiedet wird, dann ist es ebenfalls der größte Spielmannszug, den die Bundeswehr aufzubieten hat, der den Einzug der Formation mit dem Marsch des Yorck‘schen Korps von Ludwig van Beethoven begleitet. Am Donnerstagabend wird das Stabsmusikkorps für Christian Wulff den Marsch blasen.

          Über die Umstände des Abschieds Wulffs hat Wörrlein in den Interviews, die er in den letzten Tagen gegeben hat, nichts sagen mögen. Auch mache er sich keine Gedanken mehr darüber, welcher Hintersinn wohl die Auswahl von Musikstücken wie „Over the Rainbow“ oder „Da berühren sich Himmel und Erde“ motiviert habe. Die Auswahl darf derjenige treffen, für den der Große Zapfenstreich aufgeführt wird. Minister de Maizière hatte Wulff am 23. Februar angeboten, ihn als ehemaligen Bundespräsidenten mit einem Großen Zapfenstreich zu verabschieden, weil das „geübte Staatspraxis“ sei, wie ein Sprecher sagte.

          Musikauswahl erst zu Wochenbeginn erfahren

          Welche Stücke Wulff erbitten würde, hat Wörrlein nach eigenen Angaben erst zu Wochenbeginn erfahren. Doch erweckt er den Eindruck, als sei das für ihn und seine Truppe kein großes Problem. Musikstücke umschreiben muss er nicht nur dann, wenn ein verabschiedeter Politiker mit seiner Auswahl eine originelle oder persönliche Note hinterlassen will. Den gewaltigen Gitarrenriff des Hardrock-Klassikers „Smoke on the Water“, den sich Karl-Theodor zu Guttenberg gewünscht hatte, hat er meisterlich für seine Posaunen übersetzt.

          Aber auch die Nationalhymnen für Staatsgäste müssen bisweilen umarrangiert werden, wenn sie aus einem ganz fremden Kulturraum kommen. Oder es ist ein neuer Staat entstanden; oder ein alter hat eine Revolution hinter sich und es liegen noch gar keine Noten vor. Dann hat Wörrlein die Nationalhymne von Afghanistan oder Bosnien-Hercegovina auch schon mal nach einer Tonaufzeichnung arrangiert.

          Wörrlein empfindet sich, wie er gesagt hat, als Soldat in der Funktion eines Musikers. 1969 ist er in die Bundeswehr eingetreten, begonnen hat er als Fagottist im Marinemusikkorps Ostsee. Vier Jahre lang studierte er bei Volker Wangenheim an der staatlichen Musikhochschule in Köln mit Abschluss als Diplom-Kapellmeister. Dann spielte er als Musikoffizier in Bremen, Siegburg, Hamburg, Würzburg, Ulm und München, ehe er 1996 Chef des Stabsmusikkorps wurde. Geboren wurde Wörrlein, der im Oktober mit 62 Jahren in den Ruhestand geht, in der Hohenzollernstadt Ansbach. Vielleicht deshalb wird bei Protokollterminen so gerne Preußens Gloria gespielt.

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