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Staatsakt und Beerdigung : Johannes Rau, ein „Mann des Friedens“

  • Aktualisiert am

Polizeieskorte zum Friedhof Bild: ddp

Der verstorbene Altbundespräsident Rau ist am Mittag auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt worden. Etwa 80 Vertreter des Staates und engste Freunde begleiteten Raus Witwe Christina und seine Kinder zum Grab. Zuvor wurde Rau im Berliner Dom die letzte Ehre erwiesen.

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          Der Ende Januar verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau ist am Dienstag auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte beigesetzt worden. Etwa 80 Vertreter des Staates und engste Freunde begleiteten Raus Witwe Christina und seine drei Kinder zum Grab. Unter ihnen war auch der frühere SPD-Vorsitzende Hans- Jochen Vogel, den eine vier Jahrzehnte lange Freundschaft mit Rau verband. Anschließend wurde der Friedhof geschlossen.

          Rund 200 Berliner hatten bei naßkaltem Wetter in Berlins Mitte von Rau Abschied genommen. Viele der Passanten am Boulevard Unter den Linden waren sichtlich bewegt. Zuvor hatten rund 1500 Gäste aus dem In- und Ausland bei einem Staatsakt im Berliner Dom Johannes Rau die letzte Ehre erwiesen.

          Huber: „Bekennender und standfester Christ“

          In der betont schlicht gehaltenen Trauerzeremonie, die Rau selbst noch bis in die Einzelheiten festgelegt hatte, war der Sarg des achten Bundespräsidenten vor dem Altar mit der deutschen Fahne umhüllt aufgebahrt.

          Polizeieskorte zum Friedhof Bilderstrecke

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, würdigte Rau als bekennenden und standfesten Christen. In seiner Predigt sagte er, Rau sei trotz schwerer Krankheit friedlich gestorben.

          Köhler: „Er gewann die Herzen der Menschen“

          Im Anschluß sprachen Bundespräsident Horst Köhler und sein österreichische Kollegen Heinz Fischer. Köhler nannte seinen verstorbenen Vorgänger Johannes Rau einen Freund der Menschen und würdigte ihn als vertrauensstiftenden Politiker. Er verwies dabei auf Raus Aussage, wie er in Erinnerung bleiben wolle: “Er wünschte sich, es möge der Satz sein: 'Er hat die Menschen gemocht, und sie haben die Zuneigung erwidert'“ zitierte Köhler den Verstorbenen. “So ist es gekommen.“

          Rau habe stets die Nähe der Menschen gesucht: “Bei den Bürgern zu sein war ihm Herzensanliegen.“ Er habe die Hochachtung der Menschen gewonnen. “ Doch gelang ihm weit mehr: Er gewann auch ihre Zuneigung, ja ihre Herzen“, sagte der Bundespräsident in seiner Ansprache vor den Spitzen von Staat und Gesellschaft und ausländischen Gästen.

          „Er hat sich um Deutschland verdient gemacht“

          Zugleich hob Köhler das Wirken Raus als Politiker hervor, das von seinem Eintritt in die SPD in den 50er Jahren über 20 Jahre als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bis ins Präsidentenamt reichte. “Sein auf Ausgleich und vernünftige Kompromisse gerichteter Politikstil bewährte sich“ in den verschiedenen Ämtern. Als Bundespräsident habe er Deutschland im Ausland glaubwürdig, überzeugend und sympathisch vertreten.

          Köhler hob vor allem Raus enge Beziehungen zu Israel und zu Polen hervor. Nach innen habe er durch seine Reden etwa zur Zuwanderung und Integration von Ausländern, zur Biotechnologie und nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium der Politik und den Menschen Orientierung gegeben. Köhler schloß seine Rede mit den Worten:“ Johannes Rau hat Deutschland vorbildlich vertreten und im Inneren zusammengehalten. Sein Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wirkt fort.“ Er habe sich um Deutschland verdient gemacht, sagte Köhler vor der Trauergemeinde.

          Fischer: „Mann des Friedens“

          Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, ein Freund des Verstorbenen, hat Johannes Rau als „Mann des Friedens“ bezeichnet. Dies habe erst recht für den Frieden zwischen Religionen und Religionsgemeinschaften gegolten, sagte Fischer am Dienstag in seiner Trauerrede. Er spielte damit auf die zum Teil gewalttätigen Proteste gegen Mohammed- Karikaturen in der islamischen Welt an.

          „Er wäre zutiefst betroffen und aufgewühlt gewesen, wenn er noch erlebt hätte, was sich in den allerletzten Tagen aus einer unsensiblen journalistischen Vorgehensweise und den darauffolgenden Reaktionen entwickelt hat“, sagte Fischer. Rau hätte sich nach seiner Ansicht „bestimmt für einen verantwortungsvollen Umgang mit Grundrechten, für Respekt gegenüber religiösen Gefühlen, für Toleranz und Dialog, aber entschieden gegen Gewalt ausgesprochen“.

          Militärisches Abschiedszeremoniell

          An dem Gottesdienst nahmen das Bundeskabinett und zahlreiche Politiker und Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland teil, unter anderem die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder (beide SPD), der ehemalige Außenminister Hans Dietrich Genscher und der tschechische Präsident Vaclav Klaus. Zum Abschluß wurde Rau durch ein militärisches Abschiedszeremoniell geehrt.

          Der Altbundespräsident war nach langer schwerer Krankheit am 27. Januar im Alter von 75 Jahren gestorben. Rau findet auf eigenen Wunsch auf Berlins berühmtestem Friedhof seine letzte Ruhestätte. Der idyllische, von der evangelischen Gemeinde genutzte Friedhof ist mit großen Namen aus Theater, Literatur und Geisteswissenschaften verbunden. Hier liegen unter anderem die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Gottlieb Fichte, der Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Dramatiker Bertolt Brecht und Heiner Müller.

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