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Gedenken an Roman Herzog : „Er hat uns Deutschen gut getan“

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Bundespräsident Joachim Gauck und Alexandra Freifrau von Berlichingen verneigen sich im Berliner Dom vor dem Sarg des verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Bild: dpa

Vertreter aus Politik und Gesellschaft nehmen in Berlin Abschied von Roman Herzog. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Vorgänger für dessen „Ruck-Rede“ und den damit verbundenen Einsatz für Veränderungen in Deutschland.

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          Zwei Wochen nach dem Tod des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog haben Weggefährten aus Politik und Gesellschaft am Dienstag Abschied von dem Politiker genommen. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Herzogs Einsatz für Veränderungen. Am allermeisten sei ihm im Gedächtnis geblieben, wie Herzog als Bundespräsident in seiner berühmten „Berliner Rede“ praktisch alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen aufgefordert habe, gewohnte Wege zu überdenken und sich – wo möglich – auf neues Terrain zu begeben, sagte Gauck am Dienstag in seiner Rede im Berliner Dom. „Der ‚Ruck‘ durch unser Land, den er von allen forderte, das ist ja sprichwörtlich geworden“, ergänzte er.

          Gauck sprach Herzog eine „unbändige Spottlust“ zu. Er habe einfach nicht anders gekonnt, „als aus allem allzu Aufgeblasenen die Luft herauszulassen“. Dies habe der Haltung eines Mannes entsprochen, der in der Lage war, zwischen dem, „was wirklich wertvoll und wichtig ist und was nicht“ zu unterscheiden , sagte Gauck. „Er hat uns Deutschen gut getan.“

          Mit seiner legendären „Ruck-Rede“ im April 1997 schrieb sich Alt-Bundespräsident Roman Herzog in die deutsche Geschichte ein. Bilderstrecke

          Gauck nannte Herzog zudem einen Präsidenten des Übergangs nach der deutschen Wiedervereinigung. Er sei als erstes Staatsoberhaupt nach der Wiedervereinigung gewählt worden, in seine Amtszeit sei der Hauptstadtumzug nach Berlin gefallen. Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident. Er war am 10. Januar im Alter von 82 Jahren in einem Krankenhaus im baden-württembergischen Bad Mergentheim gestorben, in der Nähe seines letzten Wohnorts Jagsthausen.

          Nach dem Tod der Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Walter Scheel habe er zum dritten Mal in seiner Amtszeit die traurige Pflicht, einen Vorgänger im Amt zu verabschieden, sagte Gauck. „Es scheint, als seien diese Abschiede auch so etwas wie endgültige Abschiede von der alten Bundesrepublik“, fügte er hinzu. Zu den Trauerfeierlichkeiten wurden als Redner neben Gauck auch EU-Ratspräsident Donald Tusk und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet.

          Der 1934 in Landshut geborene Jurist und Politiker Herzog war vor seiner Zeit als Bundespräsident Präsident des Bundesverfassungsgerichts und Landesminister in Baden-Württemberg gewesen. In Erinnerung ist vor allem seine „Ruck-Rede“ von 1997 geblieben, als er zu einem neuen Aufbruch im Land aufrief. Als Staatsoberhaupt führte Herzog zudem den Gedenktag für die Opfer des Holocaust am 27. Januar ein.

          Die Ehrung durch einen Staatsakt wird nur wenigen Spitzenpolitikern zuteil. Zuletzt war Altbundespräsident Walter Scheel im September vergangenen Jahres mit einem Staatsakt verabschiedet worden. Die von Gauck nach Herzogs Tod angeordnete Zeremonie schließt mit einem militärischen Abschiedszeremoniell.

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