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Benennung nach Gisela Gneist? : Streit um Straßennamen am KZ Sachsenhausen

  • Aktualisiert am

Vergangene Woche in Oranienburg: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau legen bei einem Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen einen Kranz nieder. Bild: dpa

Nahe der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Brandenburg soll eine Straße nach einer Frau benannt werden, die dort nach dem Krieg von den Sowjets inhaftiert wurde. Kirchen und Zentralrat der Juden protestieren.

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          Über einen neuen Straßennamen in der Nähe der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen ist im brandenburgischen Oranienburg ein heftiger Streit entbrannt. Die Benennung einer Straße nach der in Sachsenhausen nach dem Krieg inhaftierten Gisela Gneist in einem Wohngebiet auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenkommandos „Zeppelin“ sei eine „Provokation“ und sollte „von den Stadtverordneten neu erwogen werden“. Das sagte die Erinnerungsbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Marion Gardei.

          Gisela Gneist (1930-2007) war von 1946 bis 1950 im sowjetischen „Speziallager“ Sachsenhausen inhaftiert, das auf dem Gelände des vorherigen NS-Konzentrationslagers in Oranienburg betrieben wurde. Die Russen hielten dort und in mehreren anderen Speziallagern jahrelang Nazi-Verdächtige, aber auch völlig unschuldige Personen ohne Prozess unter unmenschlichen Bedingungen fest. Viele starben an Hunger, Kälte, Krankheiten und Entkräftung.

          Gisela Gneist, die als Sechzehnjährige interniert worden war, soll laut einem historischen Gutachten Historikern und Gedenkstättenleitern später „in polemisch-konfrontativer Weise“ begegnet sein, „teils versetzt mit antisemitischen Untertönen und persönlichen Diffamierungen“. Gleichzeitig habe sie keine Berührungsängste gegenüber rechtsextremen Positionen gezeigt, hieß es.

          Protest von Kirchen und Zentralrat der Juden

          Von Seiten der Gedenkstätte, des Zentralrats der Juden und der Kirche waren zuvor schon Bedenken und Ablehnung gegen die Benennung nach ihr geäußert worden. „Es wäre ein gutes Zeichen in die Gesellschaft, die Einwände zu beachten“, sagte die Erinnerungsbeauftragte Gardei. „Hier sollte ein anderer Name für eine Straßenbenennung gewählt werden, der nicht mit dem Schicksal der Internierten im ehemaligen sowjetischen Speziallager Sachsenhausen nach 1945 verknüpft ist.„ Vor einigen Tagen hatte auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, einen Verzicht auf den bislang geplanten Namen gefordert.

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          Die Straßenbenennung in einem Neubaugebiet auf einem früheren Areal des KZ Sachsenhausen war 2020 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden. Dagegen hatten unter anderem die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Internationale Sachsenhausen Komitee protestiert. Im Februar soll das Thema noch einmal auf die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung kommen.

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