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SPD : Wenn drei sich streiten

Die SPD knüpft in ihrem Kernland Nordrhein-Westfalen an alte Zeiten an - und hat mit Hannelore Kraft eine Identifikationsfigur gefunden. Frau Kraft strahlt umso stärker, weil Steinmeier, Steinbrück und Gabriel die Partei im Machtpoker blockieren.

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          Wie es um die SPD bestellt ist, lässt sich leicht ermessen, wenn man sich vorstellt, dass nicht Hannelore Kraft, sondern Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel in Nordrhein-Westfalen angetreten wären. Ob es dann noch für Rot-Grün gereicht hätte? Steinbrück hätte viel besser an die Seite Lindners gepasst, Steinmeier mit Röttgen auf Augenhöhe gekämpft, und nur Sigmar Gabriel hätte es geschafft, das rot-grüne Stahlwerk zum Kochen zu bringen. Doch es wäre eine Zitterpartie geblieben. Denn keiner der drei ist ein Siegertyp, keiner der drei kann seiner Partei einen Stempel aufdrücken.

          So kommt es, dass die SPD im Kernland der Bundesrepublik wieder an die Zeiten anknüpft, als sie Volkspartei war, im Bund aber noch immer darauf wartet, wachgeküsst zu werden. So kommt es außerdem, dass die SPD auch in anderen Ländern wieder reihenweise in die Regierung gewählt wird, meistens aber mit Hängen und Würgen, jedenfalls nicht wegen, sondern trotz der Bundespartei. Klaus Wowereit, Heiko Maas und Torsten Albig können davon ein Lied singen.

          Wofür steht die „linke Mitte“ Sigmar Gabriels?

          Nur in einem Punkt müssen sich Hannelore Kraft und andere Landespolitiker der SPD im Willy-Brandt-Haus bedanken: Frau Nahles und Gabriel haben es mit Linksruck und Gewerkschaftsnähe verstanden, die Linkspartei im Westen an die Wand zu drücken. Das gibt den Landesverbänden der SPD wieder Luft zum Atmen, erspart ihnen lästige Debatten über Rot-Rot, beantwortet im Bund aber die Frage nicht, wofür die „linke Mitte“ Gabriels denn nun eigentlich steht: Mitte oder links? Reform oder Restauration? Steinbrück, Steinmeier oder Gabriel?

          Die Antwort soll heißen: Rot-Grün. Gabriel und Trittin richten sich schon seit längerem auf einen Lagerwahlkampf ein. Deshalb waren Kiel und Düsseldorf ganz nach ihrem Geschmack. Der letzte Test ist Niedersachsen. In allen drei Ländern sind schwarz-grüne Träume zerplatzt, in Nordrhein-Westfalen wurden sie gar nicht erst geträumt, und nur die Gefahr großer Koalitionen trübt das Verhältnis. Im rot-grünen Stahlwerk werden aber nicht mehr die Skulpturen von einst gegossen, die mit der Agenda 2010 wieder eingeschmolzen werden mussten. Es sind ziemlich langweilige Rohre, die da herauskommen. Das wird so lange so bleiben, wie sich die drei Stahlkocher der SPD gegenseitig behindern. Je länger das dauert, desto mehr gilt seit Sonntagabend der Satz: Wenn drei sich streiten, freut sich die Vierte.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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