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SPD-Wahlparteitag : „Geht raus und verkündet die frohe Botschaft“

  • -Aktualisiert am

Kämpferisch, aber ohne schrödersche Rhetorik Bild: AP

Die Erwartungen an die Rede des Kanzlerkandidaten auf dem SPD-Wahlparteitag waren groß. Steinmeier müsse die Partei wieder aufrichten, hieß es. Er gab sich kämpferisch und am Ende gar begeistert: „Was soll uns eigentlich noch aufhalten ?“ Die SPD wolle und werde gewinnen.

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          „Der letzte Sonntag war kein guter Tag für uns. Das war Mist. Mich ärgert es wie Euch“, hat Frank-Walter Steinmeier seine Parteitagsrede sieben Tage nach dem Desaster der SPD bei der Europa-Wahl eröffnet. Sämtliche Hoffnungen und Erwartungen waren enttäuscht, aber auch die Kalkulationen und Planungen für die Führung des Bundestagswahlkampfes waren zunichte gemacht worden.

          Weil die SPD - wohl auch wegen des inneren Streites über die „Agenda 2010“ - bei der Europa-Wahl 2004 bei 21 Prozent gelandet war, hatten die Wahlkampfmanager und auch der Kanzlerkandidat einen Zuwachs an Stimmen erwartet. Sie wollten ihn nutzen - zur Mobilisierung der eigenen Reihen. Sie sahen sich förmlich aus der Bahn geworfen. Gerade noch vermieden sie öffentliche Auseinandersetzungen. Das Grummeln in den Kreisen um die engere Führung über Steinmeiers Auftreten in der „Anne-Will-Talk-Show“ war ein Warnsignal. In der Sendung sei er zu wenig als „Chef im Ring“ in Erscheinung getreten. Er hätte kämpferischer sein müssen. So dürfe er nicht auf dem Parteitag auftreten. Entsprechend wurden die Erwartungen an Steinmeiers Parteitagsrede gesteigert. Die Leute in der Partei beließen es nicht bei dem einfachen Wunsch, der Kandidat müsse Mut machen. Er müsse die Partei wieder aufrichten. Er müsse ihr Sinn geben. Er müsse sie wahlkampffähig machen. Eine Rede, gute sechzig Minuten also, sollten über die nächsten Monate, Jahre gar, entscheiden.

          „Aber heute ist ein neuer Sonntag. Heute sind wir hier, um auf die nächste Wegstrecke nach vorn zu blicken. Orientierung geben, Kräfte bündeln. Vor allen Dingen aber, um Grund zu legen für einen fulminanten Wahlkampf“, rief Steinmeier. „Gemeinsam mit Euch, liebe Genossinnen und Genossen.“ Der Kandidat fügte noch ein „Dafür werde ich mich reinhängen“ ein. Die Leute im Management der SPD hatten vieles vorbereitet, den Zweck der Rede zu fördern. Die Parteitagshalle war nicht im konfrontativen Gegenüber von Parteiführung und Parteitagsdelegierten, sondern im Rund als Forum gestaltet. Vor dem Kandidaten kam die Blaskapelle. Müntefering nahm sich in seiner Eröffnungsrede rhetorisch zurück. Er hämmerte nicht. Er sprach leise. Er verzichtete auf sein aufpeitschendes Kurzsatz-Stakkato.

          Steinmeier begeistert - die SPD-Delegierten

          Womöglich hatte es Warnungen gegeben. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes müsse der Kandidat stehen, alles sei auf ihn zu konzentrieren, hatten Leute gesagt. Sie meinten damit auch, vor der Europa-Wahl seien im Wahlkampf der Kandidat Martin Schulz, Steinmeier und Müntefering in Erscheinung getreten, was die Anhänger unsicher gemacht habe. Das dürfe sich nicht wiederholen. Und als Müntefering - nicht zum ersten Mal - versicherte, er werde im November wieder für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren, reagierte Andrea Nahles mit ziemlich gebremster Begeisterung. Satz 1: „Wenn er kandidiert, finde ich das gut.“ Satz 2: „Wir haben jetzt aber die Strecke bis zum 27. September in den Blick zu nehmen, und nicht einen Parteitag im November 2009.“

          „Das Ding ist offen“

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