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SPD-Vorhaben : Raus aus der Doktorandenfalle

Langer Weg bis zum Titel: Die SPD will Doktoranden in Zukunft besser schützen Bild: dpa

Ein Großteil der deutschen Doktoranden befindet sich in einem befristeten oder prekären Arbeitsverhältnis. Die SPD will dem wissenschaftlichen Nachwuchs verlässlichere Karrierewege ermöglichen - mit einem Vorhaben, das bei der Union auf Kritik stößt.

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          Wer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl beschäftigt ist und promoviert, kennt das Problem: Eingebunden in die Lehre und viele andere Aufgaben, bleibt für die eigentlich zu schreibende Dissertation so gut wie keine Zeit, obwohl es sich doch um eine Qualifizierungsstelle handelt. Manche stellen das erst kurz vor Ablauf ihres Vertrages fest. Mehr als 83 Prozent der hauptberuflich beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiter befinden sich in einem befristeten oder prekären Beschäftigungsverhältnis. Häufig lag die Vertragslaufzeit unter einem Jahr. Diesen „Missstand“ will die SPD-Bundestagsfraktion beenden und dem wissenschaftlichen Nachwuchs planbarere und verlässlichere Karrierewege ermöglichen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Am Montag hat die Berichterstatterin für das sogenannte Wissenschaftsfreiheitsgesetz, die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Simone Raatz (SPD), die Eckpunkte dafür vorgestellt. Wer promoviert und zugleich eine Mitarbeiterstelle innehat, soll mindestens 24 Monate beschäftigt werden, es sei denn, Sachgründe sprächen dagegen. Die eigentlich schon zu Anfang nötige Betreuungsvereinbarung komme viel zu häufig erst nach zwei Jahren, kritisiert Raatz. Daher soll sie schon zu Anfang geschlossen werden und die Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien festlegen.

          „Daumenschrauben“ anlegen

          Außerdem sollen Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen dazu verpflichtet werden, die durch Drittmittel befristeten Stellen an die Laufzeit des jeweiligen Forschungsprojekts zu koppeln. Das hieße etwa bei einem Sonderforschungsbereich, dass die Mitarbeiter bis zu sechs Jahre lang beschäftigt werden müssen. Es gehe darum, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Hochschulen „Daumenschrauben“ anzulegen, so Raatz. „Wir fordern, dass Ministerin Wanka noch im Herbst dieses Jahres einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes vorlegt“, so die SPD.

          Der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der Union, Albert Rupprecht, sagte der F.A.Z., die von der SPD geforderte Aufhebung der Tarifsperre für Gewerkschaften werde die Union auf keinen Fall mittragen. Er plädiere dafür, die Stellungnahme des Wissenschaftsrats abzuwarten und im Rahmen des Hochschulpakts und des Pakts für Forschung und Innovation entsprechende Regelungen zu treffen. Der Rektor der Universität Heidelberg, Bernhard Eitel, bezeichnete die Forderungen der SPD als „wirklichkeitsfremd“.

          In Baden-Württemberg seien schon 40 Prozent der Landesstellen entfristet besetzt. Das Problem sei nicht das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, sondern die befristete Vergabe von Zweit- und Drittmitteln für die Forschung. Die Beschäftigungszeit von Mitarbeitern an die Laufzeit eines Projekts zu knüpfen sei kontraproduktiv. Wer statt drei Jahre einige Monate mehr für seine Dissertation brauche, falle aus dem System völlig heraus. Die Doktoranden selbst wollten Flexibilität. Die eigentliche Lösung sei eine Erhöhung der Grundfinanzierung an den Universitäten.

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