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Setzt sich Martin Schulz auf dem Parteitag durch – und bleibt er SPD-Vorsitzender, wenn nicht? Bild: dpa

SPD-Sonderparteitag : Der Tag des Zorns

Die Stimmung in der SPD ist dramatisch schlecht. Setzen sich die Gegner der großen Koalition durch? Und was könnte das bedeuten? Vier Szenarien.

          4 Min.

          Die Nervosität in der SPD könnte nicht größer sein: Folgen die Delegierten des Sonderparteitags am Sonntag Martin Schulz und stimmen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union? Oder lehnen sie die Groko ab – und stürzen damit nicht nur die SPD in eine tiefe Krise?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Selten zuvor wurde bei den Sozialdemokraten so heftig gestritten, denn die Delegierten – zumindest sehen das viele so – haben am Sonntag die Wahl zwischen Pest und Cholera. Stimmen sie für die große Koalition, gilt die SPD vielen als Umfallerpartei – und droht von Merkel weiter zu Tode umarmt zu werden, ohne sich profilieren zu können. Stimmen sie dagegen, stürzen sie nicht nur ihren Parteivorsitzenden, sondern stehen auch vor Neuwahlen, bei denen die SPD ins Bodenlose stürzen und ihren Status als Volkspartei vollends verlieren könnte.

          Wie könnte es mit Deutschland und der SPD nach diesem Sonntag in Bonn weitergehen? Vier Szenarien – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

          Erstes Szenario: Knappe Zustimmung für die Groko

          Dieses Szenario wäre das angenehmste – für Martin Schulz und die Parteiführung: Nach einer langen und kontroversen Debatte stimmt der Parteitag am Sonntag knapp der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union zu. Viele Unentschlossene, deren Zahl nach Schätzungen bei etwa einem Drittel der Delegierten liegen dürfte, haben sich in letzter Minute durch die eindringliche Rede von Martin Schulz umstimmen lassen. Schon kurz nach Ende des Parteitags tagen die Spitzen von Union und SPD in Berlin; die Koalitionsverhandlungen beginnen bereits Anfang der kommenden Woche. Sie sind schnell abgeschlossen, weil in den Sondierungsgesprächen alle wesentlichen Punkte schon verhandelt wurden und vor allem die Union bereits klar gemacht hat, dass es keine großen Nachverhandlungen geben wird. Trotzdem steht der Groko – und Martin Schulz – noch eine Hürde bevor: die Mitgliederbefragung in der SPD, die über den Koalitionsvertrag entscheiden soll. Doch auch die Parteibasis stimmt wenig später für die Groko. Martin Schulz kann durchatmen: Seine politische Zukunft ist vorerst gerettet – er bleibt Parteivorsitzender und tritt in das nächste Kabinett Merkel ein. In der SPD aber gärt es weiter – und die Unzufriedenheit mit ihrem Vorsitzenden wächst. Auch in der Groko kommt die Partei deshalb kaum zur Ruhe.

          Zweites Szenario: Knappe Zustimmung – und später trotzdem Neuwahlen

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