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SPD-Parteitag : Verhängnisvolles Finale

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Einmal linksherum im gemischten Doppel: Das neue SPD-Spitzenteam Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Bild: dpa

Wenn der SPD-Parteitag an diesem Freitag nach einer Monate dauernden Casting-Show das Führungsduo Walter-Borjans und Esken kürt, beginnen die Probleme erst. Wie sicher sitzen beide nach der Groko-Kehrtwende im Sattel?

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          Ralf Stegner hat dem neuen Traumpaar beziehungsweise der (vorerst) letzten Hoffnung der deutschen Sozialdemokratie schon einmal die Richtung signalisiert, die der SPD-Vorstand mit Restverstand in seinem Leitantrag für einem historischen Parteitag in Berlin beschlossen hat. Nur wenn man „ganz besonders töricht ist, und das ist die SPD nicht“, formuliere man Ultimaten und rote Linien für die Fortführung der großen Koalition, ließ Stegner das designierte Führungsduo Walter-Borjans und Esken wissen. Mindestens töricht war die nach dem Nahles-Rücktritt enthauptete SPD-Spitze indes schon, als sie eine verhängnisvolle Casting-Show in Gang setzte, deren Finalisten Stegner und Co. jetzt auf dem Parteitag in Berlin bejubeln müssen.

          Die designierten, einem größeren Publikum bisher kaum bekannten Nummern 17 und 18 seit 1946 kokettieren geradezu damit, anders als Willy Brandt, Hans-Jochen Vogel oder Gerhard Schröder über wenig bis gar keine Führungserfahrung zu verfügen. Umso erstaunlicher ist das überbordende Selbstbewusstsein, das beide vor ihrer Krönungsmesse in der Hauptstadt an den Tag legen. Die Prognose, binnen eines Jahres nach dem Urwahlsieg mit 30 Prozent plus Umfragesieger zu sein, erinnert an ein großes Vorbild: Martin Schulz.

          Bis dahin müssen die beiden jedoch noch ihren bisherigen Verbündeten vom linken Flügel erklären, warum sie es plötzlich doch nicht mehr so eilig haben mit dem Ausstieg aus der ungeliebten Groko. Der Initiativantrag der SPD-Linken, die Delegierten über den Ausstieg aus der Koalition abstimmen zu lassen, setzt die Doppelspitze unter Zugzwang. Wie ernst war das der SPD-Basis gegebenes Versprechen, das als Zwangsehe empfundene Bündnis noch vor Weihnachten aufzukündigen? Ihr wichtigster Wahlhelfer Kevin Kühnert hat ihnen schon einmal vorgeführt, wie geschmeidig eine Kehrtwende begründet werden kann, ohne dass sie wie Verrat aussieht. Von Politik als einem Machtspiel, das sich Optionen offen lässt, versteht der Juso-Chef und heimliche SPD-Vorsitzende jedenfalls mehr als die Scholz-Bezwinger.

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