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SPD-Kanzlerkandidat : Steinmeier nicht, schon gar nicht Gabriel

  • -Aktualisiert am

Sozialdemokratisches Dreigestirn: Gabriel, Steinbrück und Steinmeier (von links) Bild: dpa

Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat der SPD. Die Kür sollte geordnet ablaufen. Das ist gründlich misslungen.

          Auf dem Zukunftskongress der SPD-Bundestagsfraktion Mitte September, sozusagen auf heimischem Boden, begann der halböffentliche Rückzug Frank-Walter Steinmeiers. Noch gab es keine Erklärungen, sondern nur ein Flüstern: Er, Steinmeier, habe Peer Steinbrück vor dessen Rede im Berliner Paul-Löbe-Haus geraten, er müsse sich inhaltlich „verbreitern“. Und Steinbrück folgte dem Rat, hielt sich nicht lange mit den Finanzmärkten, Europa und der Krise auf, sondern verbeugte sich vor der Partei, die er so oft verhöhnt hatte: Er sprach über Benachteiligungen von alleinerziehenden Frauen und von Homosexuellen, beklagte entstehende Parallelgesellschaften im Niedriglohnsektor und weiteres mehr. Während Steinmeier zufrieden in der ersten Reihe auf den Redner blickte, saß ein ziemlich finster schauender Parteivorsitzender neben ihm.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Sigmar Gabriel war nicht beglückt über eine Agenturmeldung, welche am Tag zuvor für Aufregung gesorgt hatte. In der K-Frage, hieß es in der Meldung, laufe es auf Steinbrück zu, weil Steinmeier immer noch zögere. Zu dieser Zeit hatte Steinmeier, wie jetzt bekannt ist, schon Gabriel und Steinbrück mitgeteilt, dass er nach langem Nachdenken im Sommer zu dem Ergebnis gekommen sei, nicht als Kandidat zur Verfügung zu stehen. Was das hieß, war klar. Denn Berichten, nach denen Gabriel längst beschlossen hatte, auf eine eigene Kandidatur zu verzichten, wurde, wenn überhaupt, nur noch wachsweich widersprochen. Die beiden „Stones“ hätten schon seit dem Frühjahr 2012 gewusst, dass er nicht zur Verfügung stehe - so sagte es Gabriel am Freitag.

          Als sich Mitte September der Eindruck verfestigte, nur Steinbrück bleibe nunmehr aus der Troika als Gegenkandidat Angela Merkels gewissermaßen übrig, musste es im Interesse des Parteivorsitzenden sein, zumindest den Anschein zu erwecken, er schlage der SPD den besten Kandidaten vor. In den Tagen danach folgten weitere Berichte mit dem gleichen Tenor: Nur Steinbrück wolle. Und die Reaktionen in der Partei und der Fraktion waren stets nur: Es sei keine Entscheidung getroffen worden, es bleibe beim Zeitplan. Einwände, das klinge nicht nach einem knallharten Dementi, wurden nichtöffentlich zurückgewiesen. Auch wurde erwähnt, dass Steinbrück beziehungsweise das nicht allzu große Umfeld des Bundestagsabgeordneten wohl das Wasser nicht halten könne, was keinem so sehr schade wie Steinbrück selbst. Schließlich hieß es, wie schon im Herbst 2011 mache Steinbrück den Fehler, den Eindruck zu erwecken, er könne sich selbst ausrufen. Da kenne er die Partei schlecht. So laufe das nicht. Am Freitag sollte das alles keine Gültigkeit mehr haben: Nachdem Steinmeier ihm vor vier Wochen abgesagt hatte, habe Steinbrück zugesagt, sagte Gabriel nun. Die Entscheidung stand also.

          Kommunikatives Versagen

          Die Geschichte der Kür Peer Steinbrücks ist die Geschichte eines kommunikativen Versagens.

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