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Schulz auf Deutschland-Tour : Auf der Welle von Wanne-Eickel

Sein erster Auftritt als Kanzlerkandidat: Martin Schulz (SPD) in Herne Bild: dpa

Nach der Bekanntgabe seiner Kanzlerkandidatur beginnt Martin Schulz seine Deutschland-Tour im Ruhrgebiet. Den Genossen im Ruhrpott gefällt er. Aber die Veranstaltungshalle rockt er nicht.

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          Michelle Müntefering, die Herner SPD-Bundestagsabgeordnete, scheint ihr Glück nicht fassen zu können: „Ich habe nichts dagegen, wenn wir im Herbst sagen, die Kanzlerschaft von Martin Schulz hatte ihren Ausgang im Mondpalast von Wanne-Eickel.“ Eigentlich hätten am Mittwochabend nur gut 100 Genossen des SPD-Unterbezirks Herne an einem Programmforum teilnehmen wollen. Über die Themen für die Landtags- und die Bundestagswahl hätten die regionalen Parteifunktionäre mit vielleicht 100 Genossen von der Basis diskutieren wollen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Es wäre bestimmt sehr konzentriert zugegangen, aber auch von Sorgen und Befürchtungen wäre gewiss die Rede gewesen. Denn die Umfragen verheißen nichts Gutes. Im Land steht die SPD bei 31 Prozent, im Bund schien sie über Monate bei knapp über 20 Prozent einbetoniert. Doch dann kam der Dienstag vor einer Woche. Sigmar Gabriel verzichtete auf die Kanzlerkandidatur und Martin Schulz übernahm. Seither ging es im Bund ein paar Prozentpunkte aufwärts.

          Um den Schwung zu nutzen, begannen die Genossen in der Parteizentrale in Berlin sogleich, Termine für eine Deutschland-Tour des Überraschungskandidaten festzuzurren und stießen dabei auf das Programmforum der Herner SPD. Dort buchten die Parteifreund flugs das Volkstheater „Mondpalast von Wanne-Eickel“, dessen 500 Sitzplätze am Mittwochabend komplett belegt sind, selbst im Foyer drängen sich die Leute vor den Bildschirmen. „Wir sind stolz darauf, dass Martin Schulz auf seiner Deutschland-Tour zuerst hierherkommt“, jubelt Michelle Müntefering.

          Die Frage des Hartz IV

          Das Schulz-Team hätte sich für die erste Tour-Station kaum sichereres sozialdemokratisches Terrain aussuchen können. Denn im zwischen Gelsenkirchen, Bochum und Recklinghausen gelegen Herne ist die Welt für die SPD noch in schönster Ordnung, bis heute gilt dort: Am Ende gewinnt immer die SPD. Bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai 2012 schaffte es Direktkandidat Alexander Vogt auf triumphale 54,9 Prozent.

          Und bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 kam Michelle Müntefering, die junge Frau des früheren Parteivorsitzenden Franz Müntefering auf 48,6 Prozent. Auch das war ein großer Triumph, bedenkt man, dass die Sozialdemokraten im Bundesdurchschnitt auf 25,7 Prozent kamen. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ erfand damals für Michelle Müntefering die Bezeichnung „große Gewinnerin im Verliererverein SPD“ und wollte von ihr wissen, ob es eine „Uridiotie der SPD“ gewesen sei, nicht auf die Agenda 2010 stolz zu sein.

          Von einer klaren Antwort auf die Frage, wusste die Zeitung damals nichts zu berichten. „Wie hältst Du es mit Hartz IV?“ Es ist ebenjene Frage, die auch Martin Schulz in diesem Wahlkampf noch oft einholen dürfte. Nicht nur, weil er immer als einer der Modernisierer in der SPD galt und seit 1999 dem Bundespräsidium seiner Partei angehört, also bei dem Thema schlecht den Unbeteiligten mimen kann, sondern vor allem, weil er das bewährte sozialdemokratische umfassende Gerechtigkeitsversprechen in den Mittelpunkt seiner Kampagne stellen will.

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